Berührende Heimaufnahmen

Musik aus allen Richtungen mit Rainer Elstner. Zu Herzen gehende Songs von Molly Drake, Inola Gurgulia und Daniel Johnston

Die intimsten Momente beglückenden Musizierens entstehen manchmal in den eigenen vier Wänden: Mit dem Aufkommen leistbarer Kassettenrecorder und Bandmaschinen war das Genre "Homerecording" geboren. Molly Drake, Inola Gurgulia und Daniel Johnston waren aus sehr unterschiedlichen Gründen auf dieses Medium beschränkt. Ihre abseits von Musikstudios entstandenen Aufnahmen sind von größter Unmittelbarkeit.

Molly Drake war die Mutter des bekannten britischen Singer-Songwriters Nick Drake. Ihre privaten Aufnahmen haben fragile Song-Preziosen festgehalten, die mit ihrer warmherzigen Traurigkeit vom ersten Ton an unter die Haut gehen.

Inola Gurgulia, geboren 1929 und schon 1977 mit nur 48 Jahren verstorben, hat etwa 100 Lieder geschrieben, für sich und für ihr Gesangstrio Samaia. Die meisten dieser Lieder sind sehr intim und handeln von der Liebe, von der geglückten wie von der ersehnten und der enttäuschten. Mit den behördlichen Richtlinien der sowjetischen Gesellschaft hat das natürlich nichts zu tun, und so blieb ihr Verhältnis zum offiziellen Georgien ein gespaltenes: Ihr Trio war zwar hin und wieder im staatlichen Fernsehen zu sehen, es entstand die eine oder andere Plattenaufnahme und entwickelte sich - mit beidem einhergehend - eine gewisse Popularität, dennoch blieben ihr der Aufstieg zu einem Star, das Verfolgen einer wirklichen Karriere, natürlich verwehrt. Beliebt und bekannt sind ihre Songs in Georgien dennoch bis heute. Im Familienarchiv - ihr Mann Mikheil Shugliashvili galt als erster Avantgarde-Komponist des Landes - haben sich privat produzierte Aufnahmen erhalten, die Inola Gurgulias Sohn David Shugliashvili - selbst ein führender Volksmusikforscher - auf CD herausgebracht hat. Beim heurigen ORF musikprotokoll ist am Samstag, 5. Oktober 2019, nicht nur Musik von Mikheil Shugliashvili zu hören, sondern auch eine Auswahl der Lieder von Inola Gurgulia, vorgetragen von David Shugliashvili und seiner Familie.

Daniel Johnston produzierte seine Songs meist auch zu Hause. Der US-Amerikaner litt an einer bipolaren Störung. Was sich nicht nur auf seine Musik ausgewirkt hat, wo er von Geistern und dem Teufel singt. Seine Songs sind von zärtlicher Eindringlichkeit. Zwar hatte er eine treue Untergrund-Fangemeinde, doch blieb ihm der große Durchbruch wohl nicht zuletzt wegen massiven psychischen Problemen verwehrt. Sein Kampf gegen seine manischen Störungen bildete das Herzstück der für einen Oscar nominierten Dokumentation "The Devil und Daniel Johnston" von 2005. Am 10. September 2019 ist der Songwriter und Künstler im Alter von 58 Jahren verstorben.

Sendereihe

Gestaltung

  • Rainer Elstner

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