Schattenspiele mit Gräsern

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Letzte-Hilfe-Kurse mit Martin Prein

Doktor Prein und der Tod.
Bekenntnisse eines Thanatologen.
Von Günter Kaindlstorfer

"Wer zu sterben gelernt hat, den drückt kein Dienst mehr", postulierte der französische Philosoph Michel de Montaigne: "Nichts ist mehr schlimm im Leben für denjenigen, dem die Erkenntnis aufgegangen ist, dass es kein Unglück ist, nicht mehr zu leben."

Eine tiefgründige Einsicht - aber eine, der die wenigsten Menschen zu folgen vermögen. "Ich weiß nicht, ob man sterben lernen kann", erklärt der österreichische Thanatologe Martin Prein: "Mit philosophischen Klimmzügen kann man sich vieles erdenken, aber das geschieht in der Regel aus sicherer Distanz. Wenn wir einmal selbst betroffen sind, wirklich betroffen, meine ich - als schwerkranke Patientinnen und Patienten oder als Angehörige eines Verstorbenen - stellt sich die Sache in der Regel anders dar. Da verlieren philosophische Tröstungen rasch an Tragkraft."

Dr. Prein beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit dem Thema Tod und dem Umgang mit akut Trauernden. Er hat als Notfallpsychologe und Sanitäter beim "Roten Kreuz" gearbeitet, viele Jahre lang war er auch als Bestatter tätig. Im Rahmen seiner beruflichen Laufbahn musste der gebürtige Oberösterreicher Dutzende von Unfallopern und Suizidanten bergen, dabei kam er immer wieder hautnah in Fühlung mit toten Körpern - in verstümmeltem und nicht verstümmeltem Zustand. "Das war oft hart", erinnert sich der 44-Jährige.

Heute hält Martin Prein mehrmals wöchentlich Vorträge und Seminare ab - seine "Letzte-Hilfe-Kurse" sind oft monatelang im Vorhinein ausgebucht. Spezialthema des "Thanatologen": der Umgang mit dem Thema Tod in einer säkularisierten Welt - und unser tabubehafteter Umgang mit Leichen.

In diesem Feature sucht Günter Kaindlstorfer gemeinsam mit Martin Prein nach Antworten auf die "letzten Fragen" und konfrontiert sich dabei mit Leichen und toten Körpern - in den Obduktionsräumen des Krankenhauses Hietzing in Wien, in Leichenschauhäusern, Aufbahrungshallen und Krematorien - und auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz, wo man einen "Apfelbaumurnengarten" gepflanzt hat und mit neuen Formen der Bestattungskultur experimentiert.

Ton: Otmar Bergsmann
Sprecher: Markus Hering
Redaktion: Eva Roither

Service

Buchtipp.
Martin Prein: "Letzte-Hilfe-Kurs - Weil der Tod ein Thema ist", Styria-Verlag, Wien,

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