Ein Stück Berliner Mauer

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Der Weg zur deutschen Einheit. Mit Rolf Steininger, emeritierter Professor am Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck und Publizist
Gestaltung: Hanna Ronzheimer

Am Abend des 9. November 1989 schrieb der Ostberliner SED-Funktionär Günter Schabowski versehentlich Geschichte. Kurz vor dem Ende einer Pressekonferenz zu einer neuen Regelung für die Ausreise aus der DDR geriet er ins Stolpern. Mehrere Korrespondenten hatten gefragt, ab wann denn die gerade verkündete neue Regelung gelten solle? Schabowski blätterte nervös in seinen Papieren und brachte schließlich jenen gestammelten Satz heraus, der das Ende der DDR einleitete: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." Tausende Menschen machten sich noch in dieser Nacht auf den Weg an die Grenzübergänge.

Millionen Westdeutsche verfolgten im Fernsehen mit, wie nach 28 Jahren die Mauer fiel. Wie sich Ost- und Westdeutsche in Berlin umarmten und feierten. Dem vorausgegangen war ein Scheitern des politischen Systems der DDR und auch der Sowjetunion. Letztere hatte zwar seit 1985 mit Gorbatschow einen Wandel eingeleitet, doch der kam zu spät, sind sich Politikwissenschafter/innen und Historiker/innen einig. Er führte letztendlich zum Zerfall der Sowjetunion in Einzelstaaten, zum Erstarken der Solidarnosc in Polen und zu den Entwicklungen in Ungarn, die die Mauer zum Bröckeln brachten.

Die Ungarn bekamen Reisepässe und durften ab 1988 legal in den Westen ausreisen. Ungarns Beitritt zur Genfer Flüchtlingskonvention im März 1989 bedeutete für DDR-Flüchtlinge, dass sie ab nun nicht mehr in ihr Heimatland abgeschoben würden. Bereits beim Paneuropäischen Picknick im August 1989 in der Nähe von Sopron flohen hunderte DDR-Bürger/innen in den Westen. "Es wächst zusammen, was zusammen gehört", lautete der Kommentar des deutschen Altkanzlers Willy Brandt. Eine Prophezeiung, die 30 Jahre später kritisch betrachtet werden muss.

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