Salome-Sujet

BEYOND/FLORIAN NICOLLE

Salome nackt

Statt expressiven Orchesteraufwallens nackte sprachliche Präzision: Die Salome von Gerhard Rühm

"Salome. Radiophone Rezitation nach Oscar Wilde" von und mit Gerhard Rühm.
Gerhard Rühm schreibt zu seiner Salome-Fassung: "Meine Nachdichtung der Salome folgt dem französischen Original. Salome ist das einzige Werk, das Wilde in französischer Sprache geschrieben hat, die Rolle der Salome war ursprünglich Sarah Bernhardt zugedacht. Auffallend an der Originalfassung ist ihr sprachlich archaischer Charakter und ihr knappes, rotierendes Wortinventar.

Das war es auch, was mich an diesem Stück besonders reizte. Mit den Erfahrungen der 'Konkreten Poesie' habe ich die Sparsamkeit des Vokabulars, die Ökonomie seiner Verwendung noch auf die Spitze getrieben. In der vorliegenden Rezitationsfassung werden ... alle handelnden Personen von einem Sprecher vorgetragen. Einige Ungewohnheiten in meiner deutschen Nachdichtung beruhen auch darauf, dass ich zuweilen von den Besonderheiten der französischen Sprache mehr in die deutsche übernommen habe, als bei Übersetzungen gemeinhin üblich ist".
Der ohrenfälligste Unterschied ist: Der Mond als dauernder Bezugspunkt ist natürlich im Französischen - la lune - ebenso weiblich wie Salome selbst. Deswegen heißt es bei Rühm konsequent: Die Mondin.
Bearbeitung und Regie: Gerhard Rühm; Ton: Heinz Elbert, Produktion ORF-Steiermark, 1987

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