Palma Ars Acustica 2020

Ö1 Kunstradio Produktion "Phnom Penh FM: Re / Disc / Over" von Sopheak Sao mit dem Prix Palma Ars Acustica 2020 der EBU ausgezeichnet

Die Jury des Prix Palma Ars Acustica hat heuer ex aequo die Ö1 "Kunstradio"-Produktion "Phnom Penh FM: Re / Disc / Over" der kambodschanischen Filmemacherin und Künstlerin Sopheak Sao und die Radioarbeit "Ror-bu" der Künstlerin Veronika Svobodová, produziert von Ceský rozhlas (Czech Radio) mit dem Prix Palma Ars Acustica ausgezeichnet.

Prix Palma Ars Acustica heißt ein Radiokunstpreis, der jährlich von der Ars Acustica verliehen wird und der die Produktion und Verbreitung von Radiokunst fördern will. Ars Acustica ist eine Gruppe von Radiokunst-Redaktionen und freien Radiomacherinnen innerhalb der Europäischen Rundfunkvereinigung EBU. Die Mitglieder können jeweils eine neue Produktion einreichen; die Jury tagt bei der jährlichen Versammlung der Ars-Acustica-Gruppe.

Heuer wurden zwei erste Preise vergeben, und einer von ihnen ging an eine Kunstradio-Produktion, nämlich "PHNOM PENH FM: RE / DISC / OVER" von Sopheak Sao. Außer der kambodschanischen Filmemacherin und Radiokünstlerin darf sich auch die tschechische Künstlerin Veronika Svobodová freuen - und zwar nicht nur über die Prämie von zusammen 2.000 Euro, sondern auch über die Verbreitung ihrer Radiokunst-Werke, denn diese werden von allen Ars-Acustica-Radios gesendet und sind somit europaweit zu hören.

  1. "PHNOM PENH FM: RE / DISC / OVER" von Sopheak Sao
Unter der rassistischen Herrschaft der Roten Khmer wurden Ende der 1970er Jahre um die zwei Millionen Menschen in Kambodscha ermordet; die Bevölkerung wurde verfolgt, vertrieben und ihrer Zukunft beraubt. Vier Jahrzehnte nach dem Genozid, auf den ein jahrelanger Bürgerkrieg folgte, erhebt sich Kambodscha langsam aus dem kollektiven Trauma; eine junge Generation an Künstlerinnen, Musikern, Radioleuten und Filmemacherinnen belebt die seit dem historischen Bruch brachliegende Kulturlandschaft. Ein Drehpunkt des kulturellen Lebens in Phnom Phen ist heute das Meta House, ein Deutsch-Kambodschanisches Kulturzentrum, das sich auch zeithistorischen Thematiken widmet. An einem Abend im März 2019 performte dort die Dokumentarfilmerin Sopheak Sao; basierend auf dem Live-Mitschnitt entwickelte sie ein Hörstück mit dem Titel "PHNOM PENH FM: RE / DISC / OVER".
Entstanden ist diese Radiokunstarbeit im Rahmen des Projektes "re/dis/cover", das von der österreichischen bildenden Künstlerin Gertrude Moser-Wagner in Kooperation mit der Medienwerkstatt Wien, dem Weltmuseum Wien und dem Meta House Phnom Phen, unterstützt durch das Goethe Institut, initiiert wurde.

  1. "Ror-bu" von Veronika Svobodová
Das zweite Siegerstück des von der Radiokunst-Gruppe Ars Acustica ausgelobten Wettbewerbs Prix Palma heißt "Ror-bu", eine Produktion des Tschechischen Rundfunks, von der Künstlerin Veronika Svobodová. "Ror-bu" stellt eine akustische Erfahrung des Aufenthalts in einem alten Fischerhaus namens Kråkeslottet (d.h. Krähenschloss) dar, das sich ganz am Rande des Ufers der norwegischen Insel Senja hinter dem Polarkreis befindet. Es handelt sich um ein traditionelles Fischerhaus, das viele Jahre lang als Fischverarbeitungsbetrieb genutzt wurde. Die Radioarbeit umfasst Feldaufnahmen, die während einer Zugfahrt und während eines einmonatigen Aufenthalts auf der Insel und in dem heute kulturell genutzten Fischerhaus gemacht wurden. Strickmaschinen aus einem Schnurmuseum, das Schiff Polaris, ein Spaziergang am Strand, heulender Wind, gefrorener Regen, Hagel, knarrende Treppen, eine Aufnahme eines alten Klaviers und anderes.

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