Kind mit Papier-Ziehharmonika

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Selektiver Mutismus

Häufigkeit - Ursachen - Therapien
Von Sabine Nikolay

David, jetzt 6 Jahre alt, ist im Kreise seiner Familie ein aufgeweckter intelligenter und fröhlicher Bub. Seine Sprachentwicklung verlief unauffällig. Mit Eltern, Großmutter, seiner Schwester und weiteren nahen Verwandten spricht er laut, verständlich und klar. Dass er im 2. Lebensjahr, mitten in der Sprachentwicklung, plötzlich aufhörte nach außen zu interagieren - fremde Personen anzulächeln, ihnen zu winken oder auf freundliche Anrede zu reagieren, fiel zunächst nicht besonders auf. Dann dachten seine Verwandten, er sei vielleicht schüchtern. Doch nach und nach wurde klar: Wenn David von Menschen außerhalb seines unmittelbaren Lebensmittelpunkts angesprochen wird, reagiert er entweder gar nicht, oder dreht sich weg, versteckt sich hinter seinen Bezugspersonen, senkt den Blick. Hin und wieder bittet er auch seine ältere Schwester, für ihn zu sprechen.
David leidet an "Selektivem Mutismus", dem plötzlichen Verstummen von Kindern im Vorschulalter. Von Eltern und Verwandten zu spät bemerkt, führt das Phänomen außerhalb der Familie oft zu Problemen. Oft landen die betroffenen Kinder in der Sonderschule, weil sie nicht mit Lehrkräften und Klassenkolleginnen interagieren - und dies fälschlicherweise auf mangelnde Intelligenz zurückgeführt wird. Bemerken Vertrauens- und Bezugspersonen den Mutismus rechtzeitig, stehen die Chancen gut, dass die Kinder in der Pubertät aus ihrem Schweigen herausfinden.
Eine Sendung über die Dimensionen des Schweigens: das Leiden der Kinder, die aus Angst vor der Welt nicht mit ihr interagieren; den Stress von Verwandten, die jahrelang zum Sprachrohr der Kinder werden und Möglichkeiten, den Kinder durch Therapie wieder zu Kontakten nach außen zu verhelfen.

Sendereihe

Gestaltung