US-Soldaten in Syrien

APA/AFP/DELIL SOULEIMAN

Radiokolleg - Der Kampf um Syrien

Macht und Geopolitik im Nahen Osten (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Fast ein Jahrzehnt ist seit Beginn des Arabischen Frühlings vergangen. In Syrien dauerte es nicht lange, bis die damaligen Proteste gegen die Regierung Bashar Al Assad in einen offenen Krieg mündeten. In jüngster Zeit hat sich die Lage zwar stabilisiert, Baschar al-Assad gilt vielen als Sieger, der sich gegen seine zahlreichen Gegner durchgesetzt und mit Hilfe Russlands und des Irans den Krieg militärisch für sich entschieden hat. Noch aber halten Aufständische Gebiete im Norden des Landes, weiterhin sind Menschen auf der Flucht.

Rund eine halbe Million Menschen wurden in den Kämpfen getötet, an die sechs Millionen Menschen sind aus Syrien geflüchtet, fast ebenso viele leben als Vertriebene im eigenen Land. Armut und Not prägen die Existenz der Überlebenden. Die Infrastruktur des Landes ist schwer beschädigt, Städte liegen in Trümmern. Syrien - das darf man auch nach Jahren von Krieg und Gewalt nicht vergessen - zählt zu den bedeutendsten Kulturlandschaften der Welt. Hier entwickelte sich bereits vor tausenden Jahren städtisches Leben, nahmen Alphabet und Schrift ihren Anfang.

Archäologische Stätten und zahlreiche Baudenkmäler bezeugen die jahrtausendealte Geschichte des Landes, die von den altorientalischen Hochkulturen, über die griechische und römische Antike, danach die byzantinisch-christliche und schließlich islamische Zeit reicht. Das Land zwischen dem Mittelmeer, dem Persischen Golf und dem anatolisch-iranischem Hochland war eine Drehscheibe für den Fernhandel. Die ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt, die die Region prägte, führte aber auch immer wieder zu Konflikten.

Das Gebiet des heutigen Syrien war Jahrhunderte lang Teil des Osmanischen Reichs. Nachdem dieses Reich nach dem Ersten Weltkrieg zusammengebrochen war, sicherten sich Frankreich und Großbritannien die Kontrolle über die Region. Erst 1946 wurde Syrien ein unabhängiger Staat. Nach zahlreichen Putschen kam 1970 Hafis al Assad an die Macht, der an der säkularen Ideologie der Baath-Partei festhielt und alle Aufstände von Verfechtern eines islamischen Staates mit äußerster Gewalt niederschlug. Im Jahr 2000 trat Baschar al Assad die Nachfolge seines Vaters an. Kurz war von einem Damaszener Frühling, also einer Lockerung des rigiden diktatorischen Regimes, die Rede. Doch der Frühling ging rasch vorüber. Diktatur und Krieg prägen das Land bis in die Gegenwart.

Service

Stiftung Wissenschaft und Politik
Multaka Projekt
Syrian Heritage Projekt
Friedrich Ebert Stiftung
Amnesty International

Literatur:
Elwood D. Carlson, Nathalie E. Williams (Eds.), Comparative Demography of the Syrian Diaspora: European and Middle Eastern Destinations (Springer 2019).


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  • Brigitte Voykowitsch

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