Radiogeschichten

Erzählungen eines Tagtraumarbeiters

"(mühelos) STÜSSELCHENS". Von Dominik Steiger Es liest Erik Jan Rippmann

Prosaminiaturen aus Dominik Steigers Nachlass, Zeugnisse seines täglichen Schreibgeschäfts bis in die letzten Lebensmonate: Betrachtungen und Rückblicke, Wunschprojektionen, aber auch Schreckensvisionen eines "Tagtraumarbeiters", das alles und noch viel mehr versammelt dieser Band. Wunderhafte Erzählungen von einem holzlosen Eiland, einem Besuch in der Arktis oder von einem Indianer-Prozess halten den Irrläufen "fragmentierter Neuzeitler" Vorstellungen von einer engen Verständigung zwischen Blumen, Himmelskörpern, Tier und Mensch entgegen.

Gleichsam auf das leere Blatt gefallen, haben diese Arbeiten ein unverwechselbarer Gestus des Flüchtigen, der Versprecher und Schreibfehler als Mitteilungen des Unbewussten gelten lässt. Steigers Sprachspiele eröffnen einen unverstellten Zugang zu den Phänomenen, führen Geistiges und Somatisches in der Neuformulierung unserer Erfahrungen und Phantasiewelten zusammen. Solcher Art verheißt kreatives Schreiben Trost und Auswege aus Atmosphären der Verlorenheit und der Resignation über eine alles in Besitz nehmende Nutzwelt.

"(mühelos) STÜSSELCHENS" enthält eine Auswahl an Faksimiles aus den "kulturcollagen", einer der grundlegenden Werkgruppen des bildnerischen Œuvres von Dominik Steiger.

"mein vater hat einmal gesagt und ich zögere nicht, seinen ausspruch hier oder da wiederholt zu verlautbaren. es hieß soviel wie: der tod ist die wertvollste gabe des lebens, und ich betone, dass dieser satz nun immer deutlicher licht verbreitet über meinen pölstern; schreiblicht. das ist für mich der beweis seiner definitiven gültigkeit für mich und lieschen müller.
seien sie bitte nicht ungehalten, wenn ich sie mit solchen schraubsätzen anstrenge; sie sind das bisschen cro-magnon in mir, das heißt: erste werkzeugverlängerungen des primitiven. nichts für ungut, ja?"

Dominik Steiger
1940 in Wien geboren, 2014 gestorben. Nach abgebrochenem Studium Fremdenlegion, vorzeitige Ausmusterung via Psychiatrie, Bohemerei in Frankreich, Indienfahrt, 1961 erste Gedichte im Selbstverlag. Bekanntschaft mit den Dichtern der Wiener Gruppe und deren Freundeskreis. Veröffentlichungen bei renommierten Verlagen seit 1967. Würdigungspreis für Literatur der Republik Österreich 2004. Preis der Stadt Wien für bildende Kunst 2008.

Herausgegeben von Renate Ganser, mit einem Beitrag von Franz Josef Czernin
Ritter Verlag

Gestaltung: Michaela Monschein

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Dominik Steiger, (mühelos) STÜSSELCHENS, Ritter Verlag

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