Jonathan Meese

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Jonathan Meese (2). Gestaltung: Christine Scheucher

Jonathan Meese: Klamauk trifft Pathos!
Seine Malerei ist expressiv und wirkt zuweilen wie der spontane Kreativausbruch eines Kleinkinds. Doch Jonathan Meeses grelle Farbexplosionen sind nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Sie verweisen auf deutsche Mythen und Symbole und schöpfen aus einem kryptischen Zitatschatz. 2016 hätte Jonathan Meese den "Parsifal" in Bayreuth inszenieren sollen. Für Meese, der sich seit den späten 1990er Jahren an Wagners Mythen abgearbeitet hat, ging ein großer Lebenstraum in Erfüllung.

Dementsprechend groß war die Empörung, als Katharina Wagner sein Engagement im November 2014 kündigte. Nach dieser viel diskutierten Absage der Bayreuther Festspiele lud der damalige Festwochen-Intendant Thomas Zierhofer-Kin Jonathan Meese ein, ein großes Parsifal-Projekt zu entwickeln. Meeses Antwort auf Richard Wagners Bombast hat etwas hysterisch Überreiztes. Die Methode der Überschreibung trifft ohnehin den Kern von Meeses künstlerischen Verfahren. Nationale Symbole wie das Eiserne Kreuz sind im visuellen Baukastensystem des Künstlers fix verankert, genauso wie eine mitunter martialische Rhetorik.
Meeses Umgang mit der deutschen Geschichte polarisiert. Tatsächlich kann man sich streckenweise nicht des Eindrucks erwehren, dass die Erinnerungsarbeit des Künstlers trotz ästhetischer Brechung auch von einer gewissen Faszination für das Monströse getragen wird. In seinem "Mondparsifal" wirft Jonathan Meese die große Zitatmaschine an, verwurstet deutsche Mythen, Symbole und Narrative in einem großen schrillen Bombardement der Zeichen, lässt Trash auf Hochkultur treffen, Klamauk auf Pathos.

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