Jonas Kaufmann (Parsifal), Elina Garanca (Kundry)

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Opernabend

Aus der Wiener Staatsoper - Richard Wagner: "Parsifal"

Mit Jonas Kaufmann (Parsifal), Elina Garanca (Kundry), Ludovic Tézier (Amfortas), Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Wolfgang Koch (Klingsor) u.a.
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper; Dirigent: Philippe Jordan
(Aufgenommen am 11. April 2021 in der Wiener Staatsoper in 5.1 Surround Sound). Präsentation: Michael Blees

"Man hört da Orchesterklänge, die einmalig sind und ungeahnt, edel und voller Kraft. Das ist eines der schönsten Klangdenkmäler, die zum unvergänglichen Ruhm der Musik errichtet worden sind." Diese Worte hat der sonst nicht mit Kritik an Richard Wagner sparende Claude Debussy über das Bühnenweihfestspiel "Parsifal" geschrieben.

Richard Wagners letztes Musikdrama, nur wenige Monate vor seinem Tod uraufgeführt - es ist nicht nur ein Werk gewaltiger Dimensionen, sondern auch bemerkenswert in der Entstehungsgeschichte. Die Ursprünge zu diesem Werk gehen zurück bis ins Jahr 1845. Wagner war damals Kapellmeister der Dresdner Oper, drei Jahre zuvor hatte dort "Rienzi" eine stürmisch gefeierte Uraufführung erlebt, 1843 war der "Fliegende Holländer" herausgekommen, nicht mehr ganz so enthusiastisch gefeiert, aber immerhin freundlich aufgenommen - und nun stand die erste Aufführung des "Tannhäuser" bevor. Während jenes Sommers hat Wagner den Prosaentwurf zu seiner Oper "Lohengrin" vollendet - und bei der Beschäftigung mit diesem Sujet war er mit dem "Parsifal"-Sujet in Berührung gekommen.

Das erste Resultat aus der Beschäftigung mit Wolfram von Eschenbachs "Parzival" war natürlich "Lohengrin". Aber auch bei "Tristan und Isolde" wollte Wagner das Sujet wieder aufgreifen; im dritten Aufzug, wenn Tristan krank danieder liegt, wollte der Komponist Parzival auftreten lassen - eine Idee, die er dann wieder verworfen hat, aber das Thema hatte sich bei ihm festgesetzt. 1857 will Wagner laut seinen eigenen Lebenserinnerungen eines Morgens bei Sonnenschein erwacht sein. "Das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen. Hiervon erfüllt sagte ich mir plötzlich, dass heute ja Karfreitag sei und entsann mich, wie bedeutungsvoll mir diese Mahnung schon einmal in Wolfram von Eschenbachs Parzival aufgefallen war. Jetzt trat sein idealer Gehalt in überwältigender Form an mich heran, und von dem Karfreitagsgedanken aus konzipierte ich schnell ein ganzes Drama, welches ich, in drei Akte geteilt, sofort mit wenigen Zeilen flüchtig skizzierte." Soweit Wagner im Zitat - allerdings stimmen diese Erinnerungen nicht ganz. Wagner hat sein "Asyl" erst 18 Tage nach dem Karfreitag des Jahres 1857 bezogen - und die erste Prosaskizze ist nicht erhalten, so es sie überhaupt gegeben hat. Der erste vorhandene Entwurf ist 1865 entstanden, die Dichtung war 1877 vollendet, die Orchesterskizze 1879 und die gesamte Partitur schließlich 1882 - wobei auch hier leicht gemogelt wurde, denn der Schlusseintrag der Partitur wurde auf den Geburtstag von Ehefrau Cosima Wagner rückdatiert.

Die Uraufführung des Bühnenweihfestspiels "Parsifal" ist am 26. Juli 1882 bei den damals zweiten Bayreuther Festspielen über die Bühne gegangen; wäre es nach dem Wunsch des Komponisten und seiner Erben gegangen, hätte das Werk ausschließlich in Wagners Festspielhaus auf dem "grünen Hügel" von Bayreuth zur Aufführung kommen sollen. Die Metropolitan Opera von New York ignorierte jedoch diese Wünsche und brachte "Parsifal" schon 1903 heraus; andere große Bühnen haben bis zum Ablauf der "Schutzfrist" im Jahr 1913 gewartet - unter anderem die Wiener Hofoper, in der "Parsifal" erstmals im Jänner 1914 erklungen ist. Bei der aktuellen, einstweilen noch nicht vor Publikum gezeigten Neuproduktion an der Wiener Staatsoper handelt es um die fünfte Inszenierung des Werkes seit der Wiedereröffnung des Hauses nach der Kriegszerstörung. Die Regie, die die Handlung in ein Gefängnis verlegt, lag in den Händen von Kirill Serebrennikow. Ihm, wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, ist es derzeit nicht erlaubt, Russland zu verlassen. Seine Wiener "Parsifal"-Einstudierung ist mittels Video-Konferenz-Schaltungen entstanden.

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, via Internet-Streaming auf Ihem HbbTV-Gerät oder durch Direktaufruf der Streaming-URLs.

Mehr dazu in oe1.ORF.at - 5.1

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Richard Wagner/1813 - 1883
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Richard Wagner/1813 - 1883
Titel: "Parsifal" Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen (aufgenommen am 11. April 2021 in der Wiener Staatsoper - Corona-bedingt ohne Publikum im Zuschauerraum)
Solist/Solistin: Ludovic Tézier /Amfortas
Solist/Solistin: Stefan Cerny /Titurel
Solist/Solistin: Georg Zeppenfeld /Gurnemanz
Solist/Solistin: Jonas Kaufmann /Parsifal
Solist/Solistin: Wolfgang Koch /Klingsor
Solist/Solistin: Elina Garanca /Kundry
Solist/Solistin: Nikolay Sidorenko /Der damalige Parsifal (stumme Rolle)
Solist/Solistin: Carlos Osuna /Erster Gralsritter
Solist/Solistin: Erik Van Heyningen /Zweiter Gralsritter
Solist/Solistin: Patricia Nolz /Erster Knappe
Solist/Solistin: Stephanie Maitland /Zweiter Knappe
Solist/Solistin: Daniel Jenz /Dritter Knappe
Solist/Solistin: Angelo Pollak /Vierter Knappe
Solist/Solistin: Ileana Tonca /Erstes Blumenmädchen/Erste Gruppe
Solist/Solistin: Anna Nekhames /Zweites Blumenmädchen/Erste Gruppe
Solist/Solistin: Aurora Marthens /Drittes Blumenmädchen/Erste Gruppe
Solist/Solistin: Slávka Zámecniková /Erstes Blumenmädchen/Zweite Gruppe
Solist/Solistin: Joanna Kedzior /Zweites Blumenmädchen/Zweite Gruppe
Solist/Solistin: Isabel Signoret /Drittes Blumenmädchen/Zweite Gruppe
Chor: Chor der Wiener Staatsoper
Chor: Extrachor der Wiener Staatsoper
Choreinstudierung: Thomas Lang
Orchester: Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Orchester: Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Philippe Jordan
Länge: 242:24 min
Label: Schott/Eigenmaterial Wr.STOP

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