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Der Ö1 Essay von Judith N. Shklar

Der Ö1-Essay - Judith N. Shklar: "Über Ungerechtigkeit. Erkundungen zu einem moralischen Gefühl", Matthes & Seitz Verlag (Übersetzung: Christiana Goldmann). Es liest Rafael Schuchter

Die 1992 verstorbene, aus Estland stammende Politikwissenschaftlerin Judith Shklar lehrte an der Harvard University und galt als eine engagierte Verteidigerin des Liberalismus. Ihr Buch "Der Liberalismus der Furcht" ist ein Klassiker der jüngeren politischen Philosophie. Ihre gesellschaftspolitischen Analysen waren wohl alle auf ihre Art illusionslos, aber nie ratlos. An ihrem zuletzt erschienenen Buch "Über Ungerechtigkeit. Erkundungen zu einem moralischen Gefühl" lässt sich erneut erkennen, was illusionslos für sie konkret bedeutete, nämlich ein klarer, begründbarer Blick für richtig und falsch in Fragen sozialer Relationalität und politischer Macht und deren Auswirkungen auf den Menschen.

Dass sie dabei oft auf philosophisches und auch literarisches Terrain vorstößt, um sich von Fall zu Fall argumentative Unterstützung oder auch Illustrationen des Gemeinten heranzuziehen, steht für ihren intellektuell weit gezogenen Horizont wie für ihre Tiefgründigkeit. Judith Shklar umkreist die persönliche und politische Ungerechtigkeit "und wie wir als Handelnde und insbesondere als Opfer auf sie reagieren". Am Anfang steht die Erkenntnis über den Abstand zwischen Theorie und Praxis, wo es um das Wissen von Ungerechtigkeit geht. Diesen Abstand gilt es handelnd zu verringern, "anstatt nur Abhandlungen darüber zu lesen, was wir sein und tun sollten". Denn jedes der üblichen Modelle von Gerechtigkeit hält an dem unbegründeten Glauben fest, "wir könnten einen unveränderlichen und starren Unterschied zwischen einer Ungerechtigkeit und einem Unglück erkennen". Dem ist keineswegs so.

Sendereihe

Gestaltung

  • Peter Zimmermann

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