Ö1 Kunstsonntag: Zeit-Ton extended

ORF musikprotokoll im Zeichen der "Whodentity"

musikprotokoll 2022. Festivalhöhepunkte und die Preisträger:innenstücke des CTM Radio Lab.

In dieser gemeinsamen Sendung der "Zeit-Ton"- und der Kunstradio-Redaktion präsentieren wir Ihnen - nach einem ersten Rückblick auf ausgewählte Höhepunkte beim diesjährigen ORF musikprotokoll -die beiden Preisträger:innenstücke des diesjährigen CTM Radio Lab: "What is Not (O Que Não Está)" von Fronte Violeta und "Incantations" von Andrius Arutiunian mit dem Melos Collective.

Am Beginn der Sendung bringen wir in Ausschnitten erste Höhepunkte aus dem Programm des musikprotokolls. Es stand unter dem Motto "Whodentity". Ein Kunstwort, mit dem das Festival "drängende Fragen nach Zugehörigkeiten" beleuchtet hat. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Schaffen von Komponistinnen: In den Konzerten mit dem Ensemble Modern, dem Vokalensemble Cantando Admont und dem RSO Wien wurde ausschließlich Musik von Komponistinnen ur- und erstaufgeführt.

Contact beim CTM Radio Lab 2022

Das CTM Festival 2022 ging mit seinem Thema "Contact" der Frage nach, wie Menschen durch Musik in positiv transformativer Weise Kontakt mit anderen Realitäten jenseits der eigenen herstellen können, sei es zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebensweisen, in verschiedenen Teilen der Welt, zwischen Generationen oder mit unserer planetarischen Umwelt und der Vielfalt ihrer Lebensformen. Welche Formen des Zuhörens sind in der heutigen Zeit relevant und dringlich, und wie könnten wir auf mitfühlende Weise aufeinander hören?

"What is Not (O Que Não Está)" von Fronte Violeta

Zersetzung, Überflutung, Erdbeben: Naturgewalten können Bestehendes zerstören, aber auch Neuland hervorbringen. Diese Doppeldeutigkeit sieht die brasilianische Künstlerinnengruppe Fronte Violeta als Metapher für menschliche Kreativität. Fünf Künstler:innen suchen nach Klängen aus dem Untergrund, nach Stimmen der Vorfahren, die sich den dominanten Narrativen entziehen konnten. Naturphänomene werden zum akustischen Sinnbild des Widerstands. Sie zeugen von einer schöpferischen Verbindung zwischen Mensch, Nichtmensch, belebter und unbelebter Materie. "What is not" ist eine binaurale 3D-Produktion und ist am besten mit Kopfhörern zu genießen.
Dramaturgie: Martha Kiss Perrone
Mit: Kay Sara und Juçara Marçal, Mara Miccichè
Ton: Fronte Violeta, Henrik von Coler, Paul Schuladen

"Incantations" von Andrius Arutiunian mit dem Melos Collective

Rituale, Zaubersprüche und Flüche waren lange Zeit ein beliebtes Mittel, um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der armenisch-litauische Klangkünstler Andrius Arutiunian wendet sumerische und armenische Beschwörungsformeln auf die Gegenwart an. Worte gegen das Böse: Armenische Beschwörungsformeln in der geheimen Sprache Ruštuni, aufgeschrieben von Filzmacherinnen im 19. Jahrhundert sollten Unglück und Leid durch Magie und Rituale abwenden. Gemeinsam mit dem Frauenchor Melos Collective bringt Andrius Arutiunian diese Texte zum Klingen: Hypnotisch, repetitiv, resonant und dissonant überbrücken sie den Riss zwischen einer stürmischen Gegenwart und einer ungewissen Zukunft.

Das CTM Radio Lab ist eine Initiative von Deutschlandfunk Kultur - Klangkunst und CTM Festival mit dem Goethe-Institut, dem Ö1 Kunstradio und dem ORF musikprotokoll im steirischen herbst mit Unterstützung des britischen Musikmagazins The Wire. Der Aufruf richtet sich an Künstler:innen aus aller Welt in den Bereichen experimentelle Musik, Klangkunst, Radiokunst, neues Hörspiel und Performance. Die Arbeiten sollen sich mit dem Jahresthema des CTM Festivals befassen und zu einem Projekt zwischen Radiokunst und Livekonzert bzw. Installationskunst anregen sowie eine Radioversion von 40-55 Minuten Länge ermöglichen.

Gestaltung: Marie-Therese Rudolph, Heinrich Deisl, Susanna Niedermayr und Elisabeth Zimmermann

Service

ORF musikprotokoll
CTM Festival
Deutschlandfunk Kultur - Klangkunst
Goethe Institut

Hinweis:
gemeinsame Sendung von Zeit-Ton extended und Kunstradio

Sendereihe

Gestaltung

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