Patty Hearst

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Patty Hearsts Entführung, Kalifornien 1974

"Golden Girl aus dem goldenen Westen" von Joan Didion. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Mary Fran Gilbert und Sabine Hedinger. Es liest Dörte Lyssewski.

1974 wird die Millionenerbin Patty Hearst von Linksradikalen entführt. Sie ist die Enkelin des Medienmoguls William Randolph Hearst, dessen Exzentrik Orson Welles zu seinem tragischen Filmhelden "Citizen Kane" inspirierte. Nach zwei Monaten Folter und Vergewaltigung schließt sich Patty Hearst ihren Peinigern an. Das Society Girl wird vom Opfer zur meistgesuchten Bankräuberin der Nation. 1976 wird sie zu 35 Jahren Haft verurteilt, 1979 begnadigt und freigelassen. Inwieweit die Leerstellen in Patty Hearsts Autobiografie Zeichen der Gehirnwäsche waren so wie die Frage, ob sie ein Paradebeispiel für ein Stockholm-Syndrom oder eine eiskalte Gangsterin sei, spaltete damals Amerika. - Joan Didion erzählt in ihrem 1982 veröffentlichten Essay über einen der bizarrsten Entführungsfälle der US-Geschichte, reflektiert die öffentliche Wahrnehmung und Subjektivität der Fakten ebenso wie die Bruchstellen des alten und neuen Kaliforniens: Goldgräber und Gegenkultur, Society-Glamour und Blumenkinder, Kapitalismus und sexuelle Revolution.

Joan Didion, eine der brillantesten Autorinnen der USA, geboren 1934 im kalifornischen Sacramento, verstorben 2021 in New York, durchleuchtete mit ihren Reportagen und Essays die öffentliche Kultur Amerikas. Sie war u.a. Redakteurin der "Vogue", schrieb fünf Romane und zahlreiche Sachbücher.

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Aus: Joan Didion, "Sentimentale Reisen". Essays. Aus dem Amerikanischen von Mary Fran Gilbert, Karin Graf, Sabine Hedinger und Eike Schönfeld. Ullstein, 2016

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