Der restaurierte Marmorsaal im Schloß Beldvedere, aufgenommen am 14. April 2005. Eine im Fußboden eingelegte Tafel erinnert an die Staatsvertragsunterzeichnung am 15. Mai 1955.

APA/BARBARA GINDL

Radiokolleg Spezial

Wie Österreich neu formiert wurde (5)

Nationbuilding - Österreich in der Welt

Von der Welt wurde Österreich als souveräne Nation mit der Staatsvertragsunterzeichnung 1955 anerkannt. Das Nationalbewusstsein der Österreicher:innen wurde erstmals 1956 erhoben, damals glaubte weniger als die Hälfte der Befragten, dass Österreich eine eigene Nation sei. In Folge fünf geht es darum, wie sich die Zweite Republik als Ort der Begegnung positionierte und auch die Brüche und die Weiterentwicklung der nationalen Identität werden beleuchtet.

Dabei gewesen
Ein wenig bekannter Mitgestalter des Österreichischen Staatsvertrags war der Botschafter und damalige Kreisky-Sekretär Karl Hartl. Er steht auf dem offiziellen Foto im Belvedere in der letzten Reihe neben Rudolf Kirchschläger. Hartl war Sozialdemokrat, hatte vor dem Krieg an der bekannten "Marienthal-Studie" über die Folgen von Arbeitslosigkeit mitgewirkt und überlebte - als Sozialdemokrat und Ehemann einer jüdischen Ärztin - die Nazizeit mit seiner Familie in einem kleinen Dorf in Frankreich, wo er Kontakt zur Resistance hatte. Sofort nach dem Krieg kehrte er nach Österreich zurück. Seine Tochter erlebte die Aufregung rund um die Unterzeichnung des Staatsvertrags im Schloss Belvedere mit. Die heute pensionierte Dolmetscherin besitzt den gesamten Nachlass ihres Vaters, darunter auch Briefe von Bundespräsident Karl Renner.
Gestaltung: Sabine Nikolay

"Wir sind wieder wer"
Ein netter, harmloser Kleinstaat im Herzen Europas - dialogorientiert, neutral und mit allen gut Freund: In dieser Rolle sah sich Österreich nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags am liebsten. Die Zweite Republik präsentierte sich der Welt als Ort der Begegnung: mit der Ausrichtung des Chruschtschow-Kennedy-Gipfels 1961 zum Beispiel, oder - nach dem Bau der UNO-City - mit Wien als einem von weltweit nur vier UNO-Sitzen. In der "Ära Kreisky" erreichte das internationale Ansehen Österreichs seinen Höhepunkt.
Gestaltung: Günter Kaindlstorfer

Nationbuilding in Österreich: Vorbild für die Welt?
Was lässt sich aus Regimewechsel und Aufbau der Nation übertragen auf andere Länder nach dem Zusammenbruch einer Diktatur?
Gestaltung: Wolfgang Ritschl

Brüche und Weiterentwicklung der nationalen Identität
In den 1980er-Jahren gerät mit der "Affäre Waldheim" das Bild Österreichs als Opfer des Nationalsozialismus ins Wanken. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 wird die Rolle als neutraler Vermittler zwischen Ost und West obsolet. Die Vergangenheitsbewältigung, die Frage nach der Bedeutung der Neutralität und der Beitritt zur EU: Wie mit diesen Identitäts-Brüchen umgegangen wird, das beschäftigt Österreich ebenso wie die globale Gemeinschaft. Die Zugehörigkeit zur EU gilt heute als zentraler Baustein der österreichischen Identität. Vor allem jüngere Generationen sehen sich als Europäer - eine Generationenfrage?
Gestaltung: Barbara Volfing

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