Buch des Monats: "Im ersten Licht" von Norbert Gstrein

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

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"Wir hätten das Meer nicht verlieren dürfen"

"Im ersten Licht" von Norbert Gstrein
Es liest Michael Dangl.

Norbert Gstreins eben erschienener Roman "Im ersten Licht" beleuchtet die Lebensgeschichte von Adrian Reiter, Jahrgang 1902. Ein Axthieb seines Vaters bewahrt ihn vor dem Militärdienst, doch nicht vor den psychischen Nachwehen zweier Weltkriege. Der Roman spannt einen Bogen von der Zwischenkriegszeit bis in die 1980er Jahre und thematisiert die Frage nach der Schuld jener, die nicht aktiv am Kriegsgeschehen teilgenommen haben. Reiter trägt zwar keine direkte Verantwortung, wird jedoch durch sein Schweigen zum Mitwisser. Er bleibt Beobachter und, noch verhängnisvoller, Zuhörer. Gerade daraus erwächst seine Mitverantwortung.

Gstrein formuliert mit seinem Text ein kraftvolles pazifistisches Plädoyer. Mit direkten Bezügen auf österreichische Autoren von Joseph Roth bis Heimito von Doderer bettet er seinen Roman in die literarische Tradition ein.

Service

Norbert Gstrein: "Im ersten Licht", Roman. Hanser, München 2026.

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  • Ulrike Leitner

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