Ausgewählt
Beethoven als Prometheus
Vor 225 Jahren wurde Beethovens großes Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" uraufgeführt - Ein wegweisendes Werk
30. März 2026, 10:05
Es ist ein abendfüllendes Auftragswerk, Auftraggeber ist kein Geringerer als der große Choreograph, Tänzer und Komponist Salvatore Viganò, der das Ballett komplett reformiert. So rückt er eine anspruchsvolle Handlung in den Vordergrund, der Schriftsteller Heinrich von Collin schreibt von "Tiefe der Empfindung und reiner Schönheit der äußeren Darstellung", die "ein neues, bis dahin nicht gekanntes Reich des Schönen aufthaten".
Auch Beethoven läutet in Kürze mit der "Eroica" ein vollkommen neues symphonisches Zeitalter ein. In dieser Ballettmusik scheint er sich darauf vorzubereiten, er experimentiert in der kleinen Form der einzelnen Tanznummern. Ideen und Themen aus dem Ballett finden sich dann tatsächlich in der 3. Symphonie, der "Eroica" wieder oder in den Klaviervariationen op.35, selbst in späteren Symphonien ist noch die eine oder andere Keimzelle aus dem "Prometheus" zu entdecken.
Beethoven, der sich selbst einmal gegenüber Bettine Brentano (der späteren Bettina von Arnim) dahingehend äußert, dass Musik im Manne das Feuer aus dem Geist schlagen solle ("und dem Weibe Tränen aus den Augen locken"), sieht sich wohl selbst als eine Art Prometheus. Oder als Bacchus, denn Musik - so legt es Bettine Beethoven in den Mund - sei "eine größere Offenbarung als alle Weisheit und alle Philosophie; sie ist der Wein der neuen Schöpfung und ich bin Bacchus, der diesen herrlichen Wein für die Menschen aus der Rebe presst und sie mit dem Geist desselben trunken macht."
