100 Jahre alte japanische Dame

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In Würde altern (1)

Eine Frage der gesellschaftlichen Haltung

Das Älterwerden erfährt jeder Mensch individuell, am eigenen Körper. Doch die Veränderungen des Alltags, der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und der notwendigen Sorgekultur betreffen nicht nur die Einzelnen, sondern reflektieren, wie eine Gesellschaft mit dem Alter umgeht. Wenn dieser Blick auf Jugendlichkeit, Vitalität und Funktionalität gerichtet ist, was bedeutet es dann in Würde zu altern?

Den 100. Geburtstag feiern: Das ist in Japan bereits für mehr als 90 000 Menschen die Realität. Weltweit steigt die Lebenserwartung und auch in Österreich ist bereits jede fünfte Person 65 Jahre alt oder älter - Tendenz steigend. Die gesellschaftliche Präsenz älterer Menschen wächst. Höheres Alter wird vor allem mit Pflegebedarf, Einschränkungen und Krankheit assoziiert. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass das in vorindustriellen Gesellschaften anders war. Alter bedeutete nicht zwingend Rückzug, sondern - mitunter aus Notwendigkeit - eine veränderte Rolle im ökonomischen und sozialen Leben. Heute ist der Umgang durch die Herausbildung des modernen Wohlfahrtstaates stärker institutionalisiert. Es ist eine ambivalente Entwicklung, die durch Pensions-, Pflege- und Gesundheitssysteme zwar den materiell abgesicherten Lebensabend ermöglicht. Aber es entsteht dadurch auch eine neue Form der sozialen Distanz und das nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Gerade die Teilhabe, Mitbestimmung und Sichtbarkeit auch im hohen Alter sind für die Lebensqualität entscheidend, wie sozialwissenschaftliche Studien aufzeigen. Und es gibt sie, die Initiativen hin in Richtung einer altersfreundlichen Gesellschaft - die Teilhabe trotz kognitiver oder physischer Einschränkungen ermöglicht.

Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing

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