Miles Davis, 1967

APA-IMAGES/ROGER VIOLLET/CHRISTIAN ROSE

Hörbilder

Miles Davis - eine Würdigung zum 100. Geburtstag

Er war einer der einflussreichsten Musiker des Zwanzigsten Jahrhunderts: Miles Davis, Zahnarztsohn aus Illinois, Trompetengenie und Egozentriker mit stacheligem Bad-Boy-Appeal.

1945, während die letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs tobten, begann der 19-Jährige die New Yorker Jazz-Szene aufzumischen. Zusammen mit Charlie Parker, Kenny Clarke und Thelonious Monk prägte Miles Davis die neue fiebrig-nervöse Stilrichtung des Bebop. Einige Jahre später kultivierte der Musiker dann einen kühlen, melancholischen, entspannten Trompetenton - bis heute eines seiner Markenzeichen: Der Cool Jazz war geboren.

Von der Jazzkritik wurde Miles Davis später als "Prince of Darkness" tituliert - ein Attribut, das sich auf seine geheimnisvolle Bühnenpräsenz bezog, auf seinen schweigsamen, oft mürrischen Charakter - und die nächtlich-großstädtische Ästhetik seiner Musik, die seinen Stil besonders in der Cool-Jazz-Periode prägte. Musikerkolleg:innen dagegen nannten Miles Davis schlicht und einfach "The Chief" - aus Respekt vor seinem musikalischen Genie.

"Miles Davis hat die Entwicklung des modernen Jazz gleich mehrfach auf den Kopf gestellt", analysiert sein Biograph Stefan Hentz: "Nach der Bebop-Revolution kamen Cool Jazz und Hardbop - und dann begann Miles mehr und mehr mit polyrhythmischen Strukturen zu experimentieren, bevor er sich in den späten Sechzigern für Rock, Soul und Funk öffnete."

Mit dem allgegenwärtigen Rassismus in den USA hat der Musiker zeit seines Lebens unliebsame Erfahrungen gemacht. Immer wieder kam es zu demütigenden Szenen in Hotels und Restaurants, auch von polizeilichen Schikanen wird berichtet.

Zeitlebens war "The Chief" ein kompromissloser Gegner von weißem Überlegenheitsdünkel und jeder Art von Rassismus. Miles Davis' Haltung war klar: keine Unterwürfigkeit, keine Anpassung, keine Dankbarkeitsgesten gegenüber der weißen Mehrheitsgesellschaft. Das Auftreten des Musikers - selbstbewusst, schroff, manchmal aggressiv - war auch eine Form von Selbstbehauptung gegenüber der rassistisch geprägten Kulturindustrie. Von seiner unbeugsamen Haltung kündet auch eine Miles-Davis-Anekdote, die immer wieder erzählt wird. Am 7. Dezember 1986 wird der Musiker von US-Präsident Ronald Reagan zusammen mit Yehudi Menuhin, Ray Charles und anderen Künstlern im Weißen Haus empfangen. Während des geselligen Beisammenseins wird Miles Davis von der Frau eines weißen Politikers gefragt, welchen Leistungen er seine Einladung verdanke. Die Antwort des Musikers: "Ich habe in der Musik fünf- oder sechsmal grundlegend was verändert, wahrscheinlich bin ich deshalb hier. Und jetzt erzählen Sie doch mal, was Sie Wichtiges gemacht haben - außer, dass Sie weiß sind?"
Redaktion: Eva Roither

Service

LITERATUR:
Stefan Hentz: "Miles Davis - Sound eines Lebens - Leben und Werk der Jazzlegende - Mit Fotos aus der berühmten Fotoserie ,A Day in the Life of Miles Davis' von Glen Craig, Reclam-Verlag, Stuttgart

Doku und Stories-Podcast abonnieren

Sendereihe