Ö1 Jazznacht
Miles Davis, der Jahrhundertmusiker
Zum 100. Geburtstag: Schlaglichter auf die Karriere des legendären Trompeters Miles Davis (1926-1991)
23. Mai 2026, 23:03
Der Begriff "Modern Jazz" bezeichnet die Jazzströmungen, die sich seit den 1940er Jahren herauskristallisiert haben, beginnend mit der Bebop-Revolution. An fast allen wichtigen Modern-Jazz-Entwicklungen bis in die 1980er Jahre hinein war der Trompeter Miles Davis zumindest beteiligt, im Falle des Cool Jazz, des modalen Jazz und des Jazz-Rock sogar federführend. Vom Free Jazz der 1960er hat sich Davis zwar immer distanziert, er ist aber dem "Time without changes"-Konzept eines Ornette Coleman (fixes Tempo, keine fixen Akkorde, oft harmonische Zentren) auf einigen Aufnahmen nahegekommen. Schon dieser Umstand macht den 1991 verstorbenen Mann aus Alton, Illinois, dessen Geburtstag sich am 26. Mai zum 100. Mal jährt, zu einer singulären Figur in der Jazzgeschichte. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage seines Kollegen Max Roach: Der Schlagzeuger wird in Joachim-Ernst Berendts "Jazzbuch" mit der Aussage zitiert, Davis habe sein Spiel nie wirklich verändert, nur die Musik um ihn herum habe sich immer wieder gewandelt. Miles Davis' fragiler Sound und sein schlüssiges, oft sparsames Spiel sind auf jeden Fall zeitlos.
Am heurigen Ö1 Jazztag, dem 30. April, wurde in einer Spezialsendung bereits die Zusammenarbeit von Miles Davis und dem 1967 verstorbenen Tenorsaxofonisten John Coltrane, unter anderem im so genannten "ersten Miles-Davis-Quintett" der 1950er Jahre, thematisiert. In dieser Schwerpunkt-Jazznacht gibt es nun eine zeitliche Fortführung: Das legendäre "zweite Miles-Davis-Quintett", aktiv von 1964 bis 1968, mit Saxofonist Wayne Shorter, Pianist Herbie Hancock, Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Tony Williams, steht im Mittelpunkt. Harmonisch und rhythmisch wurden in dieser Formation neue Standards gesetzt, die zu einem guten Teil von der (damals) jungen Rhythmusgruppe Hancock/Carter/Williams initiiert wurden.
Deshalb werden als Ö1 Jazznacht-Gäste dieses Mal der deutsche Pianist Urs Hager, sein Landsmann, der Schlagzeuger Sebastian Baumgartner, und der serbische Kontrabassist Milos Colovic ihre bevorzugten Davis-Quintett-Aufnahmen präsentieren und analysieren.
Zudem gelangt eine konzertante Kostbarkeit aus dem ORF-Archiv zur Ausstrahlung: Am 5. November 1971 gastierte Trompeter Miles Davis mit einem perkussionslastigen Septett im Wiener Konzerthaus. Mit an Bord war neben Saxofonist Gary Bartz auch der von Davis als Genie bezeichnete Pianist Keith Jarrett, der hier allerdings auf von ihm selbst nicht gerade geliebten elektronischen Tasteninstrumenten (E-Piano, Orgel) agieren musste. Davis und seine Band waren auf jeden Fall gut in Form und bescherten dem Wiener Publikum einen energetischen Konzertabend.
