Radiokolleg
Der Philosoph geht in die Oper (1)
Mozart und die Schwierigkeit des Endspiels
26. Mai 2026, 09:45
Bernard Williams (1929-2003), einer der bedeutendsten Moralphilosophen des 20. Jahrhunderts, war ein leidenschaftlicher Opernbesucher. Die großen Werke des Musiktheaters inspirierten ihn zu einer Reihe von Aufsätzen über den Zusammenhang von Leben und Tod, von Wissen und Glauben oder über den Sinn des Lebens aus dem Geist der Musik. Williams konzentriert sich in seiner Opernkritik, die er von Kritik einer konkreten Aufführung unterscheidet, auf die emotionalen und moralischen Komplexitäten der Figuren und wie Musik deren dramatische Bedeutung verstärkt. Es geht um die "menschliche Wahrheit" in Werken wie Mozarts Così fan tutte, Verdis Don Carlos, oder Wagners Tristan und Isolde. Leos Janáceks Die Sache Makropulos inspirierte Brenard Williams zum Essay "Von der Langeweile der Unsterblichkeit", einem philosophischen Grundtext des letzten Jahrhunderts.
Es ist nicht leicht, eine ernsthafte dramatische Komödie zu Ende zu bringen. Eine gut geschriebene Farce endet von selbst - die letzte Kombination der Elemente ist erreicht, die Steigerung erreicht ihren Höhepunkt, das Stück endet. Eine Komödie hingegen kann durchaus mit einem Problem konfrontiert sein, das sich aus ihrer eigenen Tiefe ergibt. Sie mag Gefühle von beträchtlicher Intensität zum Ausdruck gebracht oder angedeutet und diese in Ereignissen verkörpert haben, die auf jeden Fall ungewöhnlich sind; gleichzeitig steht sie in Beziehung zu einer normalen Welt und gehört zu ihr. Die Handlung hat ihre Form, die mit dem Ende des Stücks abgeschlossen ist, aber die Figur lebt - anders als in der Tragödie - weiter, womit sich eine Reihe von Fragen ergeben. Wie, warum und wo leben die ProtagonistInnen von Hochzeit des Figaro oder Così fan tutte weiter?
Gestaltung: Erich Klein
