Opus - das Musikkolloquium

Zwei Leben für die Musik: Ingeborg und Hans von Bronsart

Die Pianistin und Komponistin Ingeborg von Bronsart und ihr Mann Hans Bronsart - Pianist und Widmungsträger von Liszts 2. Klavierkonzert

Ingeborg von Bronsart wurde 1840 als Ingeborg Starck in St. Petersburg als Tochter eines schwedischen Kaufmanns geboren. Mit 18 Jahren ging sie nach Weimar, um bei Franz Liszt Klavier zu studieren. Dort lernte sie den Liszt-Schüler Hans Bronsart von Schellendorf kennen, den sie 1861 heiratete. Bronsart, selbst ein herausragender Pianist, war Widmungsträger von Liszts Klavierkonzert Nr. 2 in A-Dur und brachte dieses unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung. Außerdem komponierte er auch Kammermusik, eine Oper und einige Kompositionen für Klavier.
1865 übernahm er die Leitung der Berliner Gesellschaft der Musikfreunde als Nachfolger seines Freundes Hans von Bülow, bevor er zwei Jahre später Direktor des Königlichen Hoftheaters in Hannover wurde. Mit dieser Position ging für Ingeborg von Bronsart eine einschneidende Veränderung einher:
Als Ehefrau eines preußischen Beamten war es ihr strikt untersagt, öffentlich als Pianistin aufzutreten. Ihre vielversprechende Karriere als Konzertpianistin endete abrupt. Von nun an widmete sie sich ganz dem Komponieren und empfing in ihrem Salon zahlreiche Persönlichkeiten des Kulturlebens.
Ingeborg von Bronsart hinterließ Lieder, Kammermusik für Streicher und Klavier sowie Opern. Neben "König Hiarne", 1891 in Berlin uraufgeführt, und dem Einakter "Die Sühne" nach einem Einakter von Theodort Körner, vertonte sie auch die 1780 von Johann Wolfgang von Goethe verfasste Farce "Jery und Bätely". Mit der Uraufführung 1873 am Weimarer Hoftheater schrieb sie Musikgeschichte: Es war das erste dramatisches Werk einer Frau, das auf mehreren deutschen Bühnen gespielt wurde.
Eines ihrer populärsten Werke war der "Kaiser-Wilhelm-Marsch", der zum Einzug der siegreichen Truppen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in Berlin gespielt wurde. Mit diesem Marsch wurde auch 1893 die Frauenabteilung der Weltausstellung in Chicago eröffnet. 1913 starb sie im Alter von 71 Jahren in München.

Sendereihe