Zwischenruf
Groß träumen und konkret handeln
von Margit Hauft, ehemalige Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung Österreichs
28. Juni 2026, 06:55
Mein heutiges Thema verdanke ich einem meiner Hobbys, dem Rätsellösen. Unerfüllbarer Zukunftstraum mit sechs Buchstaben wurde kürzlich gefragt, Utopie war die Lösung, mit der ich zugegebenermaßen nicht zufrieden war. Für mich müssen Utopien nämlich nicht zwangsläufig unerfüllbar sein. Sie fordern Menschen dazu auf, bestehende Zustände zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu bedenken.
Kurz gesagt: Eine Utopie zeigt auf, wie eine bessere Zukunft aussehen könnte, und macht dadurch die Schwächen der Gegenwart sichtbar. Sehe ich in der Utopie aber ausschließlich das ideale Gesellschaftsbild, in dem die Wünsche aller erfüllt werden, ist das kaum vorstellbar. Deshalb wird "utopisch" im Alltag häufig mit "unrealistisch" gleichgesetzt.
Doch als Orientierung und Zukunftsentwurf dient die Utopie als Zielbild, das Veränderungen anstößt. Auch wenn das vollständige Ideal nie erreicht wird, können einzelne Elemente durchaus verwirklicht werden. Viele Ideen, die früher als utopisch galten, etwa allgemeine Schulbildung, demokratische Mitbestimmung oder soziale Sicherungssysteme, sind heute in vielen Ländern Realität. Besonders im Zusammenhang mit der Stellung der Frauen spielen Utopien eine bedeutende Rolle.
Viele moderne Utopien stellen sich eine Gesellschaft vor, in der Frauen und Männer die gleichen Rechte und Chancen besitzen. Bildung, politische Mitbestimmung und berufliche Möglichkeiten stehen allen Menschen offen. Traditionelle Rollenbilder verlieren an Bedeutung, und die Aufgaben in Familie und Gesellschaft werden gerechter verteilt. Solche Vorstellungen sollen zeigen, wie Gleichberechtigung verwirklicht werden könnte. Sie regen dazu an, über die Rolle der Frauen, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Veränderungen nachzudenken.
"Eine Gesellschaft, in der ich Mensch bin und nicht in erster Linie Frau - das ist mein Traum, meine Utopie." Formuliert etwa die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Träume wie diese können der Ausgangspunkt für Utopien sein. Was zunächst als persönlicher oder gesellschaftlicher Traum erscheint, kann Menschen dazu inspirieren, Veränderungen anzustreben.
Träume sollen ansteckend sein und möglichst viele zum Mitträumen anregen. Dabei gilt das Motto: "Träume groß - die Wirklichkeit wird deine Träume ohnehin noch zurechtstutzen."
Träume dürfen, ja müssen zunächst groß sein. Selbst wenn bei der Umsetzung nur ein Teil davon verwirklicht wird, ist das Ergebnis oft immer noch wertvoller, als von Anfang an klein zu denken.
Bleibt die Utopie auch meist ein Ziel, das niemals vollständig verwirklicht werden kann, besitzt sie dennoch einen großen Wert, weil sie Orientierung gibt und Hoffnung vermittelt.
Dies wird in einem bekannten Zitat deutlich, das häufig dem lateinamerikanischen Autor Eduardo Galeano zugeschrieben wird: "Die Utopie steht am Horizont. Ich gehe zwei Schritte auf sie zu, sie entfernt sich um zwei Schritte. Wozu dient also die Utopie? Dazu, dass wir weitergehen." - Dieses Zitat verdeutlicht, dass Utopien nicht unbedingt erreicht werden müssen. Ihre wichtigste Funktion besteht darin, Menschen zu motivieren, die Welt Schritt für Schritt zu verbessern.
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Cesar Franck
Album: ANNE SOPHIE MUTTER: THE BERLIN RECITAL
* Allegretto moderato - 1.Satz (00:06:23)
Titel: Sonate für Violine und Klavier in A-Dur
Violinsonate
Solist/Solistin: Anne Sophie Mutter /Violine
Solist/Solistin: Lambert Orkis /Klavier
Länge: 06:25 min
Label: DG 4458262
