"Black & Blue" der Rolling Stones

ORF/MICHAEL NEUHAUSER

Spielräume Spezial

Die Stones auf der Suche nach einem Gitarristen und sich selbst

Black And Blue

Ronnie Wood - "der Neue" - ist jetzt auch schon einige Zeit bei den Rolling Stones, immerhin mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Und schon auf dem Cover des 1976 erschienenen Albums "Black and Blue", bei dem er erstmals als Rolling Stone mitwirkte, schaut er drein, als wäre dies auch das Selbstverständlichste auf der Welt. Dabei ist auf der Platte von seinem Gitarrenspiel noch gar nicht so viel zu hören.

Mehr als fünf Jahre lang hatte Mick Taylor die Rolle als zweiter Gitarrist neben Keith Richards innegehabt, als er im Dezember 1974 völlig überraschend seinen Ausstieg verkündete. Anstatt also im bereits gebuchten Studio neue Songs für "Black and Blue" aufzunehmen, begaben sich die Stones zunächst einmal auf Gitarristensuche. Und wer war da nicht alles als potentieller Kandidat im Gespräch: Peter Frampton, Steve Marriott, Rory Gallagher oder Jeff Beck... daraus wurde aus verschiedensten Gründen nichts.

Auch drei US-Amerikaner wurden eingeladen, um mit den Stones ein Probespiel zu absolvieren: Robert A. Johnson, Wayne Perkins und Harvey Mandel. Es waren die beiden letzteren, die dann auch tatsächlich deutliche Spuren als Gitarristen in einigen Songs des Albums hinterlassen haben. Dass letztlich dann Ronnie Wood zum Zug kam, liegt wohl auch ein bisschen daran, dass er ein Brite war und auch in seinem Erscheinungsbild als frecher Bub mit dreckigem Grinsen im Gesicht einfach ausgezeichnet zum Image der Band passte.

Die verzweifelte Suche nach einem neuen Gitarristen, aber auch das Bemühen der Stones, Mitte der 1970er Jahre musikalisch den Anschluss nicht zu verlieren, haben "Black and Blue" jedenfalls zu einem ziemlich ungewöhnlichen Album werden lassen - stilistisch heterogen, aber immer wieder hörenswert!

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  • Michael Neuhauser