Zeit-Ton extended
"Herzschlag im Dom" beim Carinthischer Sommer 2026
Die Orgel zwischen "Tulpa", Doppelgänger und einem Zwiegespräch mit Schlagwerk
18. September 2026, 23:03
Die Orgel als zentrales Element des Carinthischen Sommers wurde auch heuer von ebendiesem Festival mit einem Auftragswerk bedacht: Johannes Maria Staud schrieb "Tulpa/Doppelgänger" in engem Austausch mit dem Wiener Organisten Wolfgang Kogert, der es im Dom zu Klagenfurt zur Uraufführung brachte. In seinem rund 15-minütigen Werk erkundet Staud die Orgel "als Instrument zwischen Körper und Raum, zwischen innerer Vision und äußerer Resonanz".
"Tulpa" bezeichnet im paranormalen Diskurs ein Wesen, das durch intensive Imagination in der reinen Vorstellung beginnt, um dann greifbare Realität und Empfindung zu werden. Staud knüpft hier an David Lynchs Mystery-Serie "Twin Peaks" an, greift zusätzlich das Motiv des Doppelgängers auf und lässt damit ein Spannungsfeld zwischen Projektion und Spiegelbild entstehen.
In memoriam für seinen 2026 verstorbenen Freund Uwe Dierksen geschrieben gewinnt das Stück eine zusätzliche Bedeutungsebene: Erinnerung wird zum imaginativen Akt, das Gedachte erhält Form, Vergangenes wird zur Gegenwart. Musikalisch bewegt sich Johannes Maria Staud in "Tulpa/Doppelgänger" zwischen experimentellen und erzählerischen Momenten - und so könnte man auch das Programm des Konzertabends insgesamt, das Wolfgang Kogert in seiner Rolle als Orgelkurator des Carinthischen Sommers um dieses Werk gesponnen hat, einordnen. Dabei ließ Kogert die Marienorgel des Domes zu Klagenfurt in ein musikalisches Zwiegespräch mit den Klängen und Rhythmen der Multi-Perkussionistin Aleksandra Suklar treten - unmittelbar, kraftvoll und überraschend anders - mit Kompositionen von Emmanuel Séjourné, Klaus Lang und Pierre Cochereau. Zudem brachte Aleksandra Suklar solistisch mit "Domitus" eine Eigenkomposition und mit dem "Pezzo da Concerto No. 1" ein Werk ihres Professors Nebojsa Jovan Zivkovic mit nach Klagenfurt.
Service
Carinthischer Sommer
Johannes Maria Staud
Wolfgang Kogert
Aleksandra Suklar
Sendereihe
Gestaltung
- Christine Pleschberger
