Wiener Stadttempel, Innenansicht

APA-IMAGES/APA/TOBIAS STEINMAURER

Lebenskunst - Begegnungen am Sonntagmorgen

Hohe Feiertage im neuen Glanz

Wiener Stadttempel in neuem Glanz - Jubiläum und Wiedereröffnung +++ Das "Kol Nidre" - Von Gelübden gelöst +++ Jeder Wimpernschlag zählt - Ein "Garten" für Angehörige von Demenzkranken +++ Gerechtigkeit orientiert sich nicht an Leistung - Aspekte der Bibel

Wiener Stadttempel in neuem Glanz - Jubiläum und Wiedereröffnung

"Es ist die schönste Synagoge der Welt. Dass ich nicht alle gesehen habe, ist heute dabei nebensächlich", so beschreibt Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, den wiedereröffneten Stadttempel. Am vergangenen Mittwoch wurde in einem großen Festakt gefeiert, dass die Generalsanierung der größten Synagoge Österreichs nun abgeschlossen ist. Das 200 Jahre alte Gebäude in der Seitenstettengasse in Wien gilt als Zentrum jüdischen Lebens in Österreich. Als die Synagoge in den 1820er Jahren gebaut wurde, durfte das nur unter der Auflage passieren, dass sie äußerlich im Stil eines Altwiener Mietshauses gehalten wurde. Sie ist deshalb eng mit den umliegenden Wohnhäusern verbaut. Eine Auflage, die das Gebäude mehr als 100 Jahre später 1938 vor einer gewaltvollen Zerstörung bewahrte: Es ist die einzige größere Synagoge Wiens, die die Nationalsozialisten während der Novemberpogrome nicht zerstörten. In den zahlreichen Reden während der Wiedereröffnungsfeier wurde der zurzeit wachsende Antisemitismus in Österreich erwähnt und auch, welche maßgebliche Bedeutung die Pflege und Sanierung des Stadttempels hat. Amelie Sztatecsny berichtet über die Feier eines Gebäudes, das Schutz und Heimat bietet und an dem ein Teil jüdischer, österreichischer Geschichte abzulesen ist.


Das "Kol Nidre" - Von Gelübden gelöst

Am Vorabend des jüdischen Versöhnungstages Jom Kippur, der heuer auf den 20./21.9. fällt, sind die Synagogen in der Regel gesteckt voll, und auch der wiedereröffnete Wiener Stadttempel wird es sein. Zum Auftakt erklingt die formelhafte Erklärung Kol Nidre auf Aramäisch und Hebräisch - eines der bekanntesten Gebete des Judentums, mit dem persönliche, unwissentlich oder unüberlegte Gelübde für ungültig erklärt werden sollen. Ein Freifahrtschein, Versprechen zu brechen, ist das jedoch nicht. Dennoch wurde der Text immer wieder antisemitisch umgedeutet, um Jüdinnen und Juden mangelnde Vertrauenswürdigkeit zu unterstellen. Musikalisch wurde das Kol Nidre vielfach aufgegriffen, etwa von Max Bruch oder Arnold Schönberg. Nikolaus Hofer hat mit Jaron Engelmayer, dem Oberrabbiner der IKG Wien, über die emotionale Bedeutung, die wechselvolle Geschichte und die besondere Anziehungskraft dieses Gebets gesprochen.


Jeder Wimpernschlag zählt - Ein "Garten" für Angehörige von Demenzkranken

"Es hat uns damals wirklich den Boden unter den Füßen weggezogen", erinnert sich Susanne Schmidt-Neubauer. Ihr Mann - ein Maschineningenieur, der weltweit Schiffsmotoren servicierte und reparierte - war mit 56 Jahren an Alzheimer erkrankt. Mehr als 174.000 Menschen in Österreich sind an Demenz erkrankt. Bei einem kleinen Teil davon, nämlich zwei bis zehn Prozent, beginnt sie vor dem 65. Lebensjahr. Die Fragestellungen und Herausforderungen sind in diesem Lebensalter ganz anders als bei Über-80-Jährigen, weiß Susanne Schmidt-Neubauer als Angehörige: Die Betroffenen sind meist beweglich, sind nicht pflegebedürftig, stehen mitten im Leben, sind berufstätig, haben vielleicht noch minderjährige Kinder im Haus und Eltern, um die sie sich kümmern. Keine der etablierten Einrichtungen hatte Erfahrung in diesem Bereich. Ihr Mann - der zu diesem Zeitpunkt noch sprechen konnte - wollte konkrete Hilfe vor allem für die Angehörigen etablieren, und sie nannten das Projekt, das im Rahmen der Caritas der Erzdiözese Salzburg wuchs, "Der Garten". Heute ist "Der Garten" ein österreichweit zugängliches Beratungs- und Vernetzungsangebot der Caritas und Susanne Schmidt-Neubauer als Angehörige eine fixe Mitarbeiterin, berichtet Maria Harmer.


Gerechtigkeit orientiert sich nicht an Leistung - Aspekte der Bibel
Mt 20, 1-16

Gerechtigkeit ist eine Lebensaufgabe, meint die katholische Theologin Andrea Riedl, die sich diese Woche Gedanken zum Gleichnis der Arbeiter im Weinberg macht. Jesus erzählt das Gleichnis seinen Jüngerinnen und Jüngern, in dem der Gutsherr jenen Arbeitern, die nur eine Stunde in seinem Weinberg gearbeitet haben, ebenso viel zahlt wie jenen, die den ganzen Tag gearbeitet haben. Die Theologin findet die Vorstellung sympathisch, dass das Himmelreich - wie die Erzählung suggeriert - nicht nach Leistung zugeteilt wird. Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ist diesen Sonntag in katholischen Gottesdiensten zu hören.

Service

"Der Garten"
Caritas Pflege "Der Garten"
Aspekte der Bibel

Sendereihe

Gestaltung

  • Martin Gross

Playlist

Komponist/Komponistin: Max Bruch/1838 - 1920
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Thomas Moore/1779 - 1852
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Ferdinand Freiligrath /Übers./1810 - 1876
Album: AVE MARIA - CHERYL STUDER SINGT GEISTLICHE MUSIK
Titel: Jubilate, Amen op.3
Textanfang: Horch Wie über's Wasser hallend
Solist/Solistin: Cheryl Studer /Sopran
Orchester: London Symphony Orchestra
Chor: Ambrosian Singers
Choreinstudierung: John McCarthy
Leitung: Ion Marin
Länge: 04:06 min
Label: DG 4353872

Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach/1685 - 1750
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: anonym
Album: BACH: DAS KANTATENWERK - VOLUME X
* 5. Gott ist gerecht in seinen Werken - Nr. 5 Arie/Baß (00:04:15)
Titel: O EWIGKEIT, DU DONNERWORT, BWV 20 - Kantate am 11.Sonntag nach Trinitatis
Solist/Solistin: Michael Chance /Altus
Solist/Solistin: Paul Agnew /Tenor
Solist/Solistin: Klaus Mertens /Baß
Chor: The Amsterdam Baroque Choir
Orchester: The Amsterdam Baroque Orchestra
Leitung: Ton Koopman
Länge: 04:15 min
Label: Erato 8573802202 (3 CD)

Komponist/Komponistin: Salomon Sulzer/1804 - 1890
Album: SYNAGOGISCHE KOMPONISTEN
Titel: Wenisslach, Gebet zum Jom Kipur < nach Kol Nidre >: "Gott vergibt uns unsere Sünden" SZ 1 Nr.112
Untertitel: Für hohe Feiertage < Rosch Haschanah, Jom Kipur >
Solist/Solistin: Oberkantor Shmuhel Barzilai /Gesang
Chor: Wiener Sängerknaben
Solist/Solistin: Alexander Birnie /Solist der Wiener Sängerknaben
Solist/Solistin: Stefan Blaberschnig /Solist der Wiener Sängerknaben
Chor: Chorus Vienensis
Leitung: Günther Theuring
Solist/Solistin: Ernst-Dieter Janotka
Solist/Solistin: Raoul Gehringer
Solist/Solistin: Edgar Loibl
Solist/Solistin: Gunter Hinterberger
Solist/Solistin: Damiano Peretti /Orgel
Länge: 02:10 min
Label: ORF CD216

Komponist/Komponistin: Louis Lewandowski
Album: Jüdische Gebetsgesänge zum Versöhnungstag - Jom Kippur
Titel: Kol nidre (00:07:00)
nidrei
Solist/Solistin: Oberkantor Estrongo Nachama /Gesang
Solist/Solistin: Harry Foss /Orgel
Chor: RIAS Kammerchor Berlin
Leitung: Uwe Gronostay
Länge: 05:25 min
Label: Teldec 6621980

Komponist/Komponistin: Pete Vale
Komponist/Komponistin: Jim Capaldi
Komponist/Komponistin: Paul Carrack
Album: HELL FREEZES OVER
Titel: Love will keep us alive
Ausführende: Eagles /Gesang m.Begl.
Länge: 04:03 min
Label: Geffen 24725

Komponist/Komponistin: Henley
Komponist/Komponistin: Frey
Album: The long run
THE LONG RUN
Ausführende: Eagles
Länge: 02:00 min
Label: AS 52181

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