Radiokolleg

Wake-up-Call für Europa - Fortschritt oder Stillstand? (4)

Wege zu einem neuen europäischen Selbstbewusstsein

Ein handlungsfähiges Europa braucht nicht nur wirtschaftliche Stärke und sicherheitspolitische Autonomie, sondern auch ein gemeinsames Selbstverständnis. Doch welche Werte und Überzeugungen verbinden die Europäer in einer zunehmend polarisierten und machtgetriebenen Welt? Und wie könnte in Europa ein (neues) Gefühl der Zusammengehörigkeit jenseits von Nationalismus und Patriotismus entstehen? Bereits im Jahr 1970 prägte der deutsche Politikwissenschafter Dolf Sternberger den Begriff des europäischen Verfassungspatriotismus, der später von Jürgen Habermas aufgegriffen wurde: Identifikation entstehe nicht durch Herkunft, sondern durch die gemeinsame Bindung an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Grund- und Freiheitsrechte. Auch der Politikwissenschaftler Volker Kronenberg plädiert für einen weltoffenen Patriotismus, der nationale Identität und europäische Verantwortung miteinander verbindet. Die Wahrung der Grundrechte berührt auch die Fähigkeit, seine Werte im digitalen Zeitalter zu schützen - etwa durch Regelwerke wie den Data Services Act, die Bürgerrechte, Transparenz und demokratische Kontrolle im digitalen Raum. Doch wie kann in Europa aus gemeinsamen Werten eine gemeinsame europäische Zukunft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, das einen engstirnigen nationalen Patriotismus hinter sich lässt?

Gestaltung: Johannes Gelich

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