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Stimmen hören
Die schlafende Schöne und der Prinz
Musiktheater-Exoten rund um Dornröschen
24. September 2026, 14:05
Als hätte Peter Iljitsch Tschaikowskys abendfüllende Ballettmusik anderen Komponisten keine "Luft" mehr gelassen, den "Dornröschen"-Stoff auf ihre Weise fürs Musiktheater zu fassen! Sämtliche Versionen sonst sind Randerscheinungen geblieben, reizvolle Exoten. Beginnend mit Engelbert Humperdincks "Märchenspiel", das entstehungsgeschichtlich sogar dessen "Hänsel und Gretel" vorausging: Dieses "Dornröschen" behielt die Humperdinck-typische Mischform von Melodramen und ausmusizierten Passagen bei, die der Komponist in anderen Fällen in Richtung "durchkomponiert" modifiziert hat. Der Franzose Charles Silver sollte in den 1930er Jahren bei der zeittypischen Schlager-Operette landen; die "Féerie" mit Dornröschen-Sujet "La belle au bois dormant" von 1902 hingegen ist ganz reif-romantische Oper zum Gerne-Hören, etwa in der Art von Jules Massenet. Die 2026 erschienene Ersteinspielung: bezaubernd! Ganz genau den bei Charles Silver vorgefundenen Werktitel, nur ins Italienische übertragen, findet man auch bei Ottorino Respighi: "La bella dormente nel bosco". Respighi konzipierte das Werk zunächst für ein Puppentheater - da lässt also Humperdinck grüßen! -, und diese Grundidee prägt auch die gegen Respighis Lebensende herausgekommene Opernbühnen-Bearbeitung. Ottorino Respighi ist ja überhaupt ein Mann mit vielen stilistischen Facetten gewesen, sein "Dornröschen" steht zwischen Ravels "L'enfant et les sortilèges" und den italienischen Commedia-dell'arte-Opern seiner Zeitgenossen: kein "Reißer" also, sondern für feine Ohren.
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
