Radiokolleg

Die Philosophin geht in die Oper (2)

Oper der Hoffnung - Frau (Fidelio) befreit Mann

Die Figurenkonstellation in Ludwig van Beethovens Fidelio (Uraufführung 1805) ist neu - Frau rettet Mann! Leonore aka Fidelio befreit ihren Ehemann Florestan aus dem Staatsgefängnis, in dem er von Don Pizarro seit zwei Jahren gefangen gehalten wird. Die ultimative "Humanitätsoper", wie Fidelio genannt wurde, spiegelt mit dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit die politischen Bewegungen in Europa nach der französischen Revolution wider. Ein angesichts von Tyrannei nicht zu vergessendes Thema der Aufklärung sind neben Freiheit Menschlichkeit und egalitäre Liebe. Die politische Kraft der Musik, Empathie zu fördern, kommt für Martha Nussbaum vor allem im "Gefangenenchor" zum Ausdruck: "O welche Lust, / o welche Lust, in freier Luft / den Atem leicht zu heben. / O welche Lust, / Nur hier, nur hier ist Leben, / der Kerker eine Gruft, eine Gruft." Die "größte musikalische Darstellung der Hoffnung in der Oper" erweise sich in der "Verbindung zwischen menschlicher Freiheit und Atem. Die Oper verkörpert auf diese Weise ihren eigenen Inhalt: Um sie zu singen, muss man zumindest vorübergehend den schlimmsten Übergriffen ungerechter Regime entkommen sein."

Gestaltung: Erich Klein

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