Gedanken für den Tag
Eine Deklaration der Geschwisterlichkeit
Hubert Gaisbauer, Publizist, zum 800. Todestag von Franz von Assisi
29. September 2026, 06:57
"Warum eigentlich läuft dir alle Welt nach", fragte Bruder Masseo eines Tages den Mitbruder Francesco. "Warum? Du bist nicht schön, du bist nicht reich, du bist nicht besonders gescheit - warum also ausgerechnet dir?" Diese Frage kann man auch nach 800 Jahren stellen, kein anderer Heiliger des Christentums ist so en vogue wie dieser ehemalige Kaufmannssohn Giovanni di Pietro di Bernardone aus Assisi, genannt Francesco. Bis heute fasziniert der Heilige, weil seine Botschaft weit über die Legenden vom asketischen Mönch und Vogelprediger hinausweist.
Hubert Gaisbauer widmet sich in seinen "Gedanken für den Tag" dem Leben und Denken des Franz von Assisi, dessen Vision einer geschwisterlichen Gemeinschaft von Menschen, Tieren und der gesamten Schöpfung bis heute nachwirkt. Franz strebte nicht nur eine Erneuerung des christlichen Lebens an, sondern stellte auch Besitz, Macht und Gewalt grundsätzlich infrage. Sein "Sonnengesang", in dem Sonne, Mond, Wasser, Feuer und Erde als Geschwister des Menschen erscheinen, wurde zu einem zeitlosen Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit der Welt. Anlässlich seines 800. Todestages fragt Hubert Gaisbauer nach der Aktualität einer Botschaft, die den Menschen nicht als Herrscher über die Schöpfung, sondern als Teil eines großen Ganzen versteht.
Hubert Gaisbauer hat zwei Bücher über Franz von Assisi geschrieben; eine Biografie für Kinder und "Ein Brief für die Welt" über Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus.
