Tiefkühlfisolen

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Punkt eins

Ardo-Aus: Wohin mit dem Gemüse?

Das Tiefkühlwerk Ardo in Groß-Enzersdorf vor der Schließung. Gäste: Robert Kriegl, Landwirt, Obmann der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) & Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Günter Breuer, Universität für Bodenkultur Wien, Gemüsebauer im Marchfeld. Moderation: Andreas Obrecht. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Das Marchfeld gilt als "Gemüsegarten Österreichs", hunderte Landwirte bauen 80 % jenes Gemüses an, das bis dato von der belgischen Firma Ardo in einem Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf schockgefroren, verpackt und auf den Markt gebracht wird. Damit soll kommendes Jahr Schluss sein, der Konzern hat die Schließung der Industrieanlage bekannt gegeben und lässt sich trotz offerierter Hilfspakete von Seiten der Regierung nicht umstimmen. Auch an einen Verkauf wird nicht gedacht - die Anlage soll dem Vernehmen nach abmontiert werden und an einem günstigeren Standort weiterproduzieren.

Schon seit einigen Jahren läuft der Betrieb nicht mehr rentabel, der jüngste Bilanzverlust summierte sich auf 23 Millionen Euro. Hohe Energie- und Lohnkosten und ein für den Branchenriesen relativ kleiner heimischer Absatzmarkt werden vom Konzern als Begründung genannt. Ardo will freilich weiterhin in Österreich Tiefkühlgemüse verkaufen, auch wenn 350 heimische Landwirte, die bislang das Werk mit Spinat, Grünerbsen, Sojabohnen, Bohnen, Karotten, Rotkraut, Kürbis und Kräuter beliefert haben, durch die Finger schauen.

Der Schock, auch die Empörung sitzen tief - neben den zuliefernden Bauern, die auf 3.300 Hektar im Marchfeld durchschnittlich 40.000 Tonnen Rohware produzieren, werden rund 200 Beschäftigte der Fabrik ihre Jobs verlieren. Der Konzern Ardo, der 16 Standorte in sieben Ländern betreibt, verspricht einen Sozialplan für die Beschäftigten auszuarbeiten. Eine Revision der Entscheidung ist von Seiten der Konzernleitung nicht zu erwarten.

Nach der großen Dürre und den Ernteausfällen, nach oftmals getätigten hohen Investitionen in neue Bewässerungsanlagen sind nicht nur Landwirtinnen und Arbeitnehmer von der Schließung betroffen, sondern auch Landmaschinen-Händler, Werkstätten, Transportunternehmen etc. Robert Kriegl, Obmann der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) hat die Hoffnung das Interesse anderer Investoren zu wecken, damit die über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur weiter bestehen kann.

Der Preis für Gemüse steht stark unter Druck, obwohl die Nachfrage groß ist. Tiefkühlgemüse erfreut sich in Europa wachsender Beliebtheit, wobei der Konsum von Frischgemüse eher stagniert. Jeder zweite Konsument, jede zweite Konsumentin und vor allem auch die Gastronomie kocht mit Gemüse aus der Tiefkühltruhe.

Für Günter Breuer, Agroökonom, Universitätsprofessor und ebenfalls Gemüsebauer im Marchfeld ist es besorgniserregend, dass die natürlichen Voraussetzungen für hochprozentige Rohstofferzeugung in der österreichischen Landwirtschaft vorhanden sind, aber die industrielle Verarbeitung mitunter fehlt. Die einseitige Abhängigkeit von einem Branchenriesen wie Ardo zeigt dieses Dilemma auf - dann entscheidet nicht die Standortqualität über die industrielle Investition, sondern allein die zu erwartende Rentabilität des eingesetzten Kapitals. Die Wirtschaftspolitik sei hier besonders gefordert, neue Rahmenbedingungen zu schaffen, damit natürliche Produktionsvorteile in industrielle Wertschöpfung umgewandelt werden kann und die heimische Lebensmittelproduktion und
-verarbeitung auch in Zukunft gesichert ist.

Robert Kriegl und Günter Breuer sind Gäste bei Andreas Obrecht. Wie immer freut sich die Punkt eins Redaktion über Ihre Teilnahme an der Sendung unter 0800 22 69 79 oder unter punkteins (at) orf.at

Sind Sie selbst von der Ardo-Werkschließung betroffen? Welche Alternativen gibt es zur industriellen Vermarktung heimischer landwirtschaftlicher Produkte? Handelt es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall oder um einen generellen Trend in der Agrarproduktion und Agrarvermarktung?

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