Im Gespräch

Asfa-Wossen Asserate, äthiopischer Prinz und deutschen Historiker

Im Gespräch mit Andreas Obrecht

Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, wurde 1948 geboren und wuchs am kaiserlichen Hof in Addis Abeba auf. Er studierte bereits in Tübingen Rechtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Geschichte, als die Kommunisten 1974 die Macht in Äthiopien ergriffen. Sein Vater, Präsident des Kronrates, wurde ebenso wie Haile Selassie und 60 weitere Familienmitglieder ohne Gerichtsverfahren ermordet. Asfa-Wossen Asserate blieb in Deutschland, promovierte 1978 in Geschichte, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und konnte erst nach dem Ende des roten Terrors 1991 nach Äthiopien zurückkehren. Er ist ein unermüdlicher Verfechter von Menschenrechten in afrikanischen Kontexten und ein Vermittler zwischen Europa und Afrika. Derzeit ist er sehr besorgt über die Re-Ethnisierung der äthiopischen Gesellschaft - ethnische Gruppen werden gegeneinander ausgespielt, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Der Bürgerkrieg in Tigray zwischen 2020 und 2022 hat rund 600.000 Leben gekostet, unlängst wurden neue Kampfhandlungen gemeldet. Asfa-Wossen Asserate hat unter dem Titel "Der letzte Kaiser von Afrika" eine beeindruckende Biografie von Haile Selassie geschrieben, seine eigene Lebensgeschichte veröffentlichte er in dem Buch "Ein Prinz aus dem Hause David und warum er in Deutschland blieb" und sein jüngstes, 2023 erschienenes Buch "Deutsch vom Scheitel bis zur Sohle" ist eine humorvolle anekdotenreiche Liebeserklärung an jenes Land, das ihn zeitlebens beherbergt. Asfa-Wossen Asserate ist zu Gast bei Andreas Obrecht.

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