Dinge die man haben muss
How to create a hype
Die eigentliche Funktion von technischen Geräten gerät immer mehr in den Hintergrund. In unserer Zeit darf ein Telefon nicht nur telefonieren und ein MP3-Player nicht nur Musik abspielen können. Innovationen müssen her - egal ob sinnvoll oder nicht.
8. April 2017, 21:58
Mit Superlativen verkauft Steve Jobs, der Apple-Chef, den Menschen seine Innovationen, auch die, die eigentlich keine sind. Wie die neue Funktion des iPod, der jetzt sogar UKW-Radiosender empfangen kann.
Das können selbst die preisgünstigsten MP3-Player seit vielen Jahren schon. Trotzdem schafft es Jobs, seine Produkte teuer zu verkaufen. Wichtiger Bestandteil ist die überschwängliche Wortwahl bei den Präsentationen der Geräte, meint Motivforscherin Helene Karmasin. "Das ist der Zeichenapparat. Wie können Marken ihre Bedeutung überhaupt kommunizieren? Sie können das durch Bilder oder auch verbal machen."
"Needs" und "Wants"
Ziel von Apple ist es, einen Hype zu konstruieren und das Produkt als "Must have" zu etablieren. Das gelingt momentan auch Microsoft mit seinem I-Pod-Gegner Zune. Das Gerät ist erst seit wenigen Wochen in den USA in den Läden und angeblich schon ausverkauft.
Um einen Trend auszulösen, brauchen Firmen eine ganz klare Marketing-Strategie. Sie sprechen die emotionalen Seiten der Kunden und Kundinnen an - die innersten Wünsche der Interessenten. Karmasin unterteilt hier in "Needs" und "Wants": "Die Needs sind das, was man braucht. Aber dann kommen die Wants, das, was ich mir wünsche. Wo ich sage, es wäre schön, das zu haben. Was werden da die Leute sagen?"
Das System der Needs und Wants ist mittlerweile ein Bestandteil unserer Gesellschaft. "Ohne diese, könnte man neun von zehn Märkten schließen", so Karmasin weiter. Doch, wie nötig ist es, jedem Trend zu folgen und jede Innovation sofort aufzunehmen? Der Mensch werde von der Gesellschaft gezwungen, sich auf solche Neuerungen einzulassen, sagt Karmasin. Wer vorne dabei sein und zu einer elitären Gruppe gehören will, müsse Entwicklungen mitmachen - egal wie irrational sie sind, sagt Karmasin.
Status und Trend
In Österreich wurden bis heute zirka 150.000 iPhones verkauft. Obwohl es mittlerweile schon gleichwertige Produkte anderer Hersteller gibt, die auch im Preis locker mithalten können, gilt das Apple-Handy als Statussymbol. Aber nicht auf jeder Trend-Welle muss man mitsurfen.
"Sie können sich ja wehren, aber dann entgeht ihnen halt etwas und das Gefühl haben die Leute einfach", so Karmasin. Trotzdem gebe es viele Menschen, die gerade auf den Status keinen Wert legen und sich gegen diese Trends stellen würden.
Einer der Lieblingssätze von Steve Jobs ist: "Wir sind den Anderen um zwei Jahre voraus". Was tatsächlich auch oft stimmt, denn mit dem I-Phone hat Apple eine Revolution am Handy- und MP3-Player-Markt eingeläutet. Ohne Touch-Screen geht fast nichts mehr.
Doch die Konkurrenz hat aufgeholt und deshalb lohnt es sich zu vergleichen. Hilfe geben hier unabhängige Testseiten im Web, die auch technische Produkte auf deren Preis-Leistungs-Verhältnis testen.
Hör-Tipp
Digital.Leben, Montag bis Donnerstag, 16:55 Uhr
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