NS-Raubkunst in Österreich

1998 hatten die rechtmäßigen Erben des "Bildnis Wally" erstmals Ansprüche gestellt und damit zu einer breiten Restitutionsdebatte in Österreich beigetragen. Diese mündete noch im selben Jahr im Kunstrückgabe-Gesetz. Seit damals wird in den österreichischen Bundesmuseen nach NS-Raubkunst geforscht - mit großem Erfolg.

Mittagsjournal, 20.08.2010

Forschungen bald abgeschlossen

Es geht um wertvolle Möbel, Porzellan oder Zeichnungen und in wenigen Fällen geht es auch um berühmte Gemälde wie Gustav Klimts Goldene Adele. Rund 11.000 Kunstgegenstände, die in der NS-Zeit geraubt worden sind, haben die Bundesmuseen in den vergangenen 12 Jahren wieder an die ursprünglichen Eigentümer oder ihre Erben zurückgegeben, sagt die Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung Eva Blimlinger.

In einigen Museen werden die Forschungen im kommenden Jahr abgeschlossen sein. "Was wirklich noch offen ist, lässt sich schwer sagen, weil ja systematisch vorgegangen wird und da kann immer das eine oder andere sein", so Blimlinger. Der Großteil der Gegenstände sei jedoch schon beforscht und dort, wo Dossiers eingebracht wurden, auch zurückgegeben worden.

Raubkunst in privaten Händen

Das betrifft aber nur die Bundesmuseen. Völlig unklar ist hingegen, wie viel Nazi-Raubkunst in privaten Sammlungen versteckt ist. "Es gibt ja nicht so wahnsinnig viele Privatmuseen in Österreich. Darum kulminiert das immer um die Sammlung Leopold", erklärt Blimlinger, noch dazu, wo hier Gelder von der Republik im Spiel gewesen seien.

Tatsächlich seien aber private Sammlungen das eigentliche Thema und darauf habe man keinen Zugriff: "Der Großteil des Kunsthandwerks ist in privater Hand und nicht in öffentlicher", sagt Eva Blimlinger.

Kein Zugriff auf Privatsammlungen

Dieser Umstand werde durch die Diskussion um die Sammlung Leopold aber leider überdeckt, sagt die Historikerin und bringt ein Beispiel: "Natürlich wäre es sehr interessant, die Sammlung Dichand anzuschauen. Klarerweise wäre hier eine Provenienzforschung auch zu empfehlen."

Aber dazu müsse man erst einmal wissen, was sich in den diversen Privatsammlungen überhaupt befindet. In alle Sammlungen, die viele Kunstgegenstände aus dem 19. und 20. Jahrhundert enthalten, könnten sich "arisierte" Gegenstände befinden.

Auch private Sammlungen für die Raubkunst-Forschung zu öffnen, das wäre eine wirkliche Revolution, sagt Eva Blimlinger. Schließlich stelle sich auch die Frage, wie weit Raubkunst die Preise bzw. den Markt für Kunstgegenstände beeinflusst hat.