Südkorea hat mit Militärmanöver begonnen

Südkorea hat sein umstrittenes Militärmanöver auf der grenznahen Insel Yeonpyeong den Kriegsdrohungen des verfeindeten Nordkorea zum Trotz begonnen. Die Inselbewohner wurden in Luftschutzkeller beordert. Dem UNO-Sicherheitsrat ist es in der Nacht nicht gelungen, einen einstimmigen Aufruf zur Mäßigung zu formulieren.

Morgenjournal, 20.12.2010

Staaten uneinig

Das größte Problem im Sicherheitsrat war die Formulierung: Russland und China wollten ein Statement, das beide Seiten Nord- und Südkorea zu höchster Zurückhaltung aufrufen sollte. Andere Sicherheitsratsmitglieder fanden, dass dies die Wirklichkeit nicht abbilde und so Südkorea dieselbe Schuld an der jüngsten Krise zugeschoben werde, wie Nordkorea. Wo doch Nordkorea die Krise vor vier Wochen ausgelöst hat, als es die südkoreanische Insel Yeonpyong beschossen hat und vier Menschen starben. Die USA, Frankreich, Großbritannien und andere Sicherheitsratsmitglieder wollten eine Formulierung, die die Verantwortung klar den Nordkoreanern zuweist und nur sie zur Zurückhaltung aufruft.

Russland warnt vor Eskalation

Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice stellt sich nach vielen Stunden resigniert vor die Mikrofone: "Es ist unwahrscheinlich, dass wir die Kluft noch überbrücken können, obwohl eine Mehrheit im Sicherheitsrat eine klare Verurteilung Nordkoreas und dessen Angriffs auf Südkorea am 23. November möchte. Aber es gab hier keine Einstimmigkeit"

Russlands UNO-Botschafter Vitali Tschurkin warnt vor einer drohenden Eskalation: "Wir wiederholen unseren Aufruf an beide Seiten, sich zurückzuhalten. Wir hoffen, dass unsere Gespräche und Verhandlungen nicht nutzlos bleiben und Nord- und Südkorea uns vernommen haben und es vielleicht doch etwas bewirkt."

Inselbewohner in Luftschutzbunker

Südkorea hat inzwischen die Inselbewohner aufgefordert, sich in Luftschutzbunker zu begeben. Die Haltung Südkoreas ist: "Wir führen die Übung auf der Insel auf jeden Fall durch. Das verfeindete Nordkorea hat uns nichts zu diktieren." Das Manöver abblasen, wäre ein Eingeständnis von Schwäche. Nordkorea hat laut mit einer katastrophalen Antwort gedroht. Das Manöver dürfte den letzten Meldungen zufolge inzwischen begonnen haben.