Leipziger Buchmesse eröffnet

Mit einem Festakt im Gewandhaus wurde am Mittwoch, 16. März 2011 die Leipziger Buchmesse eröffnet. Zum Auftakt der Messe wurde der mit 15.000 Euro dotierte "Buchpreis zur Europäischen Verständigung" an den Autor und Übersetzer Martin Pollack überreicht. Erstmals ging diese renommierte Auszeichnung damit an einen Österreicher.

Der studierte Slawist und langjährige Korrespondent des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat unter anderem das Werk von Ryszard Kapuscinski ins Deutsche übersetzt, seine eigenen dokumentarischen Prosabände führen immer wieder in die Grenzlandschaften des alten Europa, nach Galizien.

Kulturjournal, 17.03.2011

Kristina Pfoser im Gespräch mit Martin Pollack

Historische Reportagen

"In seinem einprägsamen und richtungsweisenden Oeuvre nimmt Martin Pollack die randständigen und lange vernachlässigten Regionen Osteuropas in den Blick, in seinen historischen Reportagen wirft er stets ein erhellendes Licht auch auf unsere Gegenwart", lobte die Jury. Dass eben das gegenwärtige Europa, von diesen randständigen Regionen nichts wissen will, das prangerte Martin Pollack in seiner Dankesrede an.

"Das freie und wohlhabende Europa hat seine Grenzen nach Osten verschoben, aber verschwunden sind diese Grenzen nicht. Die neuen Grenzen, die unseren Kontinent zerschneiden, werden nicht weniger streng bewacht als zu Zeiten des Kalten Krieges, um die Anderen, die weniger Bemittelten, die weniger Freiheit genießen als wir, draußen zu halten. Vor den Grenzen unseres neuen Europas", so der Autor.

Kultur aktuell, 17.03.2011

Weißrussland als Schandfleck

Ein Schandfleck für Europa sei Weißrussland, wo oppositionelle Politiker und Autoren gewaltsamen Repressionen ausgesetzt sind und auch in der Ukraine erleben die Demokratisierungsprozesse dramatische Rückschläge. Von staatlicher Willkür berichtete Martin Pollack, von Einschüchterung, Angst und Bespitzelung, von einer Rückkehr zur Diktatur in der Ukraine - nicht beachtet vom so genannten Westen.

"Wenn Europa eines Tages in der Ukraine so etwas wie einen zweiten Balkan erlebt, sollte sich keiner wundern", zitierte Pollack aus einem Brief, den er kürzlich von dem ukrainischen Autor Juri Andruchowytsch erhalten hat.

Für offene Türen

Pollack schloss seine Rede mit einem Appell: 2Politisch hat Europa bisher nicht viel vermocht, um den hier geschilderten besorgniserregenden Entwicklungen entgegenzuwirken. Umso mehr liegt es an uns Intellektuellen, die Bedenken und Sorgen unserer Freunde jenseits der neuen Grenze im Osten zu zerstreuen, umso mehr müssen wir uns bemühen, ihnen und ihren Werken alle Türen zu öffnen. In unserem eigenen Interesse,

Für offene Türen in diese Richtung steht - traditionell - die Leipziger Buchmesse. In den kommenden Tagen wird sie einmal mehr den Literaturen Ost- und Südosteuropas ein Forum bieten. Ein Schwerpunkt ist heuer Serbien gewidmet.

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