Baufirmen fürchten Arbeitsmarktöffnung

Die Arbeitsmarktöffnung ab ersten Mai öffnet den österreichischen Arbeitsmarkt nicht nur für Arbeitnehmer aus den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, sondern auch den Konkurrenzmarkt der Arbeitgeber. Die heimischen Baufirmen machen sich Sorgen wegen der drohenden Anbieterkonkurrenz.

Mittagsjournal, 26.04.2011

Zusätzliche Konkurrenz für Baufirmen

Ab Mai drängt zusätzliche Konkurrenz für heimische Baufirmen legal auf den Markt. Aufgaben wie zum Beispiel der Innenputz, Betonschalungen oder Elektrikerarbeiten können dann auch an Subunternehmer aus den neuen EU-Mitgliedsländern vergeben werden. Probleme kann es dabei aber bei der Gewährleistung geben, warnt Josef Muchitsch von der Gewerkschaft Bau-Holz.

Kein Abkommen zur Gewährleistung

Wenn es zu später auftretenden Bausachschäden kommt, gibt es noch kein internationales Abkommen zur Gewährleistung, betont Muchitsch. Das müsse jedem Auftraggeber bewusst sein, vom privaten Häuslbauer, bis zur großen Wohnbaugenossenschaft.

Gewerkschaft rät von Subaufträgen ab

Die Gewerkschaft rät, zumindest in den ersten Monaten nach der Öffnung, heimischen Firmen den Vorzug zu geben. Die neuen Firmen haben in Österreich bereits ihre Angebote deponiert, weiß Muchitsch von Bau-Holz, jetzt läge es an den ausschreibenden Stellen, ob sie die Subvergaben zulassen oder nicht.

Auch Bauinnung warnt

Auch die Bundesinnung Bau sieht bei der Gewährleistung mögliche Probleme. Die Gewährleistung sei ein großes Problem für den Auftragsgeber, wenn bei der Baufirma nichts zu holen ist. Dann bestehe auch nicht die Möglichkeit, dass man die Gewährleistung in Anspruch nimmt, erklärt Robert Jägersberger, stellvertretender Bauinnungsmeister

Liste aller Baustellen gefordert

Bei Aufträgen in Österreich müssen auch ausländische Firmen ihre Mitarbeiter nach dem heimischen Kollektivvertrag bezahlen. Das ist auch im Lohn- und Sozialdumpinggesetz so vorgeschrieben.

Damit die Behörden dieses Gesetz besser kontrollieren können, fordert der Bauinnungsmeister Robert Jägersberger einen Baustellenkataster, in dem alle Baustellen aufgelistet sind. Nur wenn alle Baustellen lückenlos erfasst werden, seien die entsprechenden Prüfmöglichkeiten gegeben, so Jägersberger

Appell an Auftraggeber

Bauaufträgen bis zu einem Wert von 100.000 Euro können bis Ende des Jahres noch frei und ohne Ausschreibung vergeben werden. Für Aufträgen bis zu einer Million Euro dürfen fünf Anbieter zur Anbotslegung eingeladen werden. Das sollten Bürgermeister nutzen, um heimische Anbieter zu bevorzugen, rät Muchitsch von der Gewerkschaft Bau-Holz.

Wie viele Firmen aus den neuen EU-Ländern ab Mai in Österreich tätig sein werden, liege an den Auftraggebern, betont der Gewerkschafter.