Traun, Dominik - digitale Kunst

Er kommt von der Musik her: Dominik Traun, Jahrgang 1985, der an der Angewandten digitale Kunst studiert. Beim heurigen Viertelfestival war seine Audioinstallation "A Translocator" zu erleben.

Kompositionen von Dominik Traun

Hörstück "kurz.kurz.lang", "cut OFF", "2zeitlich" (Ausschnitte).

"Es war der Drang, die technische Limitierung aufzuheben und selber Musikstücke aufnehmen und machen zu können. Der Anfang war, als ich die E-Gitarre zu spielen begann. Da hatte ich die Möglichkeit, das Signal der Gitarre auf elektronische Art zu bearbeiten und zu modulieren. Dadurch ergab sich immer mehr der künstlerische Kontext. Mein Zugang kam aber immer von der Musik her. Es war ein Inspirieren von der Technik zur Kunst - und umgekehrt. Ich wollte diese technisch basierte Kunst auch technisch umsetzen können", erzählt Dominik Traun, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1985, über seinen Beginn.

Seit 2007 studiert er an der Wiener Angewandten digitale Kunst bei Virgil Widrich und Ruth Schnell. Abschließen wird er voraussichtlich im Sommer 2013.

Traun begann 1995 mit einer klassischen Privatausbildung in Klavier, und wechselte dann zum Jazz. Ab 2000 erlernte er Gitarre autodidaktisch, 2005 kam Schlagzeug dazu. 2007 beendete er bei "Tone-Art Wien" seine Ausbildung als Ton-Ingenieur mit Auszeichnung. Ebenfalls in diesem Jahr begann er an der Musik-Universität Wien mit dem Lehrgang für Computermusik.

Grundelement Lautsprecher

"Mein Grundelement ist der Lautsprecher. Ich zeige, wie elektrische Energie in Schallenergie umgewandelt wird. Und wie ein Lautsprecher in verschiedenen Kontexten jeweils etwas ganz anderes bedeuten kann. Ich arbeite sehr gerne mit Räumen. Der Raum ist der Knackpunkt - wie er mit meiner Kunst beeinflusst wird", erläutert Traun seinen künstlerischen Zugang.

"SpielraumZielraum" zu 30 Jahre WUK

Am 5. Oktober 2011 präsentierte Dominik Traun zum 30-Jahre-Jubiläum des Wiener WUK "SpielraumZielraum", eine Performance und interaktive Installation, mit seiner Band "Emulgator":

"Diese Arbeit liegt mir sehr am Herzen. Wir haben uns eine ganz neue Konzertform überlegt: wir schließen uns im Probenraum mit Kameras und Mikrofonen ein, die das Audio- und Videosignal in den Konzertraum übertragen. Es funktioniert aber in beide Richtungen - so wird die Publikums-Interaktion nicht aufgehoben. Das Projekt war eine Anspielung auf Peter Weibels Medien-Installation 'Observation of the Observer', wo der Betrachter sich immer selber auf einem Monitor sehen kann."

Hörstück "kurz.kurz.lang"

Zu einer der wichtigsten Arbeiten von Dominik Traun zählt sein Hörstück "kurz.kurz.lang", das 2009 entstanden ist: "Diese Komposition ist ein Versuch, Sprache mittels Morse-Code technisch darzustellen. Ich habe mich hier an die freie Lyrik angelehnt, die mit der Sprache lautmalerisch spielt, und versucht, das auf rein klangtechnischer Ebene nachzuahmen", erklärt Traun, dessen Hörstück in der "artmix.galerie" des Bayerischen Rundfunks im Jänner 2010 uraufgeführt wurde.

"A Translocator" bei Viertelfestival

Zu einer der aktuellsten Arbeiten Dominik Trauns zählt seine Audio-Installation "A Translocator", die im Rahmen des niederösterreichischen Viertelfestivals 2011 in Hainburg an der Donau stattfand:

"Auf einer Strecke in der Länge von 40 Metern wurden entlang der S-Bahnstrecke acht Lautsprecher aufgebaut. Aus ihnen hörte man zwei Mal pro Stunde, entsprechend dem Intervall der Züge, Kinderlachen. Diese Klang-Inszenierung fand in einem sehr interessanten Gebiet statt, wo Zug, Straße und Fluss parallel verlaufen. Die Limes-Straße ist ein Transportweg, der seit der Römerzeit besteht. Mit meinem Projekt wollte ich darauf hinweisen, dass es hier schon sehr lange Transport gibt."

Sound Performance bei "Essence" im MAK

Zuletzt präsentierte Traun die Soundperformance "Formulation - Restaurant Transformable", eine Kooperation mit Rainer Prohaska, zur Eröffnung der "Essence"-Schau der Angewandten am 28. Juni im Wiener MAK.

Ö1 Hörspiel "Der Regen tickt"

Der vielseitige Künstler war auch bereits in Ö1 vertreten. Mit seiner Kollegin Caroline Profanter schrieb er das Hörspiel "Der Regen tickt", das im Rahmen des im Rahmen des Ö1 Hörspiel-Studios am 8. April 2008 gesendet wurde.

Duale Kunst-Projekte

Seit Oktober 2011 ist der Künstler außerdem mit dem DJ und Musikproduzenten Patrick Pulsinger unterwegs, mit dem er unter anderem schon in New York und Berlin aufgetreten ist.


Zur Zeit arbeitet der Künstler an seiner ersten Solo-Platte, die im Herbst 2012 beim Label Hezekina Pollutina erscheinen wird. Ebenfalls im Oktober 2012 wird die selbst produzierte Platte seines aktuellen Band Projektes "Austrian Apparel" erscheinen.

Wie lauten seine Zukunftswünsche? "Ich möchte mich in meiner Arbeit weiterhin von der Zweigleisigkeit Technik - Kunst inspirieren lassen und weiter entwickeln. Dadurch, dass ich viele Bereiche bediene, kann ich schnell umdenken. Und ich glaube, dass es heute sehr wichtig ist, dass man adaptieren kann", so Dominik Traun.