Küberl: Saure Wiesen trockenlegen

Die Korruption in Österreich nehme bereits demokratiegefährdende Ausmaße an, das sagt Caritas-Präsident Franz Küberl in der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast" u.a zu den Enthüllungen rund um die Telekom-Austria. Dringend gefragt sei jetzt das "Trockenlegen von sauren Wiesen", wie Küberl auf ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger verweist.

Mittagsjournal, 03.09.2011

Caritas-Präsident Küberl im Gespräch mit

Demokratiegefährdend

Er ist so etwas wie das moralische Gewissen und eine Symbolfigur für den Kampf gegen Armut - Caritas-Präsident Franz Küberl. Für ihn nehmen die vielen Affären, die Österreich als ein Land dastehen lassen, in dem die Korruption gedeiht, schon demokratiegefährdende Ausmaße an.

Speziell die aktuelle Telekom-Affäre kommentiert der Caritas-Präsident mit einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger - das "Trockenlegen von sauren Wiesen" sei dringend gefragt. Für Küberl nimmt die Korruption bereits demokratiegefährdende Ausmaße an, und er fordert, dass die Justiz schnell, schneller als bisher, Licht in die dunklen Machenschaften bringt.

Mindestsicherung verbesserungswürdig

Zum Thema Mindestsicherung befragt, sagt Küberl, es sei zwar nicht der große Wurf geworden, aber der Weg sei der richtige. Derzeit allerdings lande man mit der Mindestsicherung am Abstellgleis. Die meisten Bezieher seien arbeitslos, es brauche daher Initiativen um in den Arbeitsmarkt zurück zu gelangen.

Der 58-jährige Caritas-Präsident erneuert in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach einem Mindestlohn. Im Kampf gegen Armut müssten die Sozialpartner mehr Branchen zum Mindestlohn drängen. Es brauche darüber hinaus auch leistbare Wohnungen, eine bessere Gesundheits- und Bildungsversorgung für arme Menschen sowie eine Steuerentlastung für niedrige Löhne.

Und um die Pflege zu finanzieren, spricht sich Küberl auch für die Wiedereinführung einer reformierten Erbschaftssteuer aus.

Sympathien für Pfarrer-Initiative

Im aktuellen Kirchenkonflikt zeigt der Caritas-Präsident Sympathien für die Forderungen der Pfarrer-Initiative von Helmut Schüller, sieht aber keine Gefahr einer Spaltung. Es müssten neue Wege gesucht werden, so Küberl zum Kirchenstreit. Den Konflikt hält er aber grundsätzlich für lösbar. Küberl wünscht sich vor allem eine Aufwertung der Frauen in der Römisch-Katholischen Kirche.