Kritik an Stadt Wien nach Missbrauchsvorwürfen

Nach den schweren Vorwürfen der systematischen Vergewaltigungen im Kinderheim auf dem Wilhelminenberg in den 1970er Jahren verspricht die Stadt nun rasche Aufklärung. Dem Anwalt, der zwei Opfer vertritt, ist das zu wenig. Er habe die Stadt Wien bereits Mitte Juli über die Vorwürfe informiert.

Mittagsjournal, 17.10.2011

"Schlechter Informationsfluss"

Gestern hat der Vorsitzende der Wiener Opferschutzkommission und Präsident des Weißen Rings Udo Jesionek gemeint, er habe sich die Vorwürfe in diesem Ausmaß nicht vorstellen können. Das will der Anwalt der beiden Betroffenen, Johannes Öhlböck, aber so nicht glauben. Denn er habe die Vorwürfe schon im Juli der Stadt Wien mitgeteilt, so Öhlböck. Offenbar stimme der Informationsfluss innerhalb der Stadt Wien nicht.

"Vorwürfe gleich weitergeleitet"

Im Büro des zuständigen Stadtrats Christian Oxonitsch bestätigt man, dass ein Schreiben im Juli eingegangen ist. Es sei aber eher unkonkret gewesen. Man habe daraufhin aber sofort den Fall an den Weißen Ring, der die Meldungen für die Stadt Wien bearbeitet, weitergeleitet. Außerdem habe die Stadt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht.

Neue Kommission?

Nun wolle man die Vorwürfe lückenlos aufklären, hat gestern Christian Oxonitsch versichert - ob mit einer neuen Kommission oder der bereits bestehenden, sei noch nicht klar. Auch in diesem Punkt hat Johannes Öhlböck Bedenken. Es gebe ja schon die Opferschutzkommissionen und die Historikerkommission unter der Leitung des Zeithistorikers Reinhard Sieder.

Kommission paritätisch besetzen

Wenn eine dritte Kommission erfolgreich sein wolle, müsse sie unbedingt paritätisch von allen Parteien besetzt werden, meint Öhlböck. Nur dann sei eine schonungslose und lückenlose Aufklärung gewährleistet. Er sei sich nicht sicher, ob Oxonitsch eine solche Kommission gemeint habe.

Ermittlungen gegen vier Personen

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien bestätigt jedenfalls, dass Anfang Oktober eine Anzeige der Stadt Wien eingegangen ist. Seither wird gegen vier Personen ermittelt, die namentlich bekannt sind und auch gegen Unbekannte. Anwalt Johannes Öhlböck kämpft um eine höhere Entschädigung, bisher haben die beiden Frauen jeweils 41.000 Euro bekommen. Außerdem fordert er, dass die Verjährungsfristen in derart krassen Fällen abgeschafft wird.

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