Jäger Platter: Kritik von Busek

Mindestens sieben Jagdeinladungen hat der Tiroler ÖVP-Chef und Landeshauptmann Günther Platter angenommen. Jetzt kommt eine erste kritische Stimme aus der ÖVP: Alt-Parteiobmann Erhard Busek rät seinem Parteifreund zu Zurückhaltung bei Einladungen und Parteichef Michael Spindelegger gar, sich andere Leute zu suchen.

Morgenjournal, 27.3.2012

Keine Gams, aber ein Reh

Balthasar Hauser, der Stanglwirt in Going, hat es getan, ein Schweizer Fleisch-Großhändler mit einer gepachteten Jagd im Außerfern hat es getan - auf Ersuchen der Agrargemeinschaft Häselgehr und weil er dem Jungjäger Platter eine Freude machen wollte. Auch der Osttiroler Unternehmer Anton Pletzer soll Platter auf einen Gamsbock eingeladen haben, aber das stimmt nicht - sagen beide. Es habe geregnet, und man sei in der Almhütte geblieben, heißt es.

Mit dem Bürgermeister von Haiming im Oberinntal, Josef Leitner, hat es geklappt: Leitner hat dem Landeshauptmann einen Rehbock spendiert, natürlich nicht aus der Gemeindekasse, sondern als Privatmann, wie Leitner betont. Der Bürgermeister hat selber schon einmal die Einladung eines Schotter-Unternehmers auf ein Mufflon abgelehnt, wie er erzählt. In der Einladung für Platter sieht Leitner aber kein Problem, außerdem kenne er den Landeschef noch aus Bürgermeister-Zeiten.

"Jagdeinladungen sind immer gefährlich"

Der frühere ÖVP-Obmann Erhard Busek widerspricht energisch: "Jagdeinladungen sind immer gefährlich. Das fängt an in die Richtung von Anfüttern." Und Buseks Rat an Parteifreund Platter: "Generell habe ich es immer so gehalten, dass man sich gegenüber Einladungen immer sehr zurückhaltend benehmen soll und nicht annehmen, weil das eine Menge von Missverständnissen erzeugt."

Zurückhaltend war der Landeshauptmann bei Jagdeinladungen nicht gerade, und dass einige Abschüsse auf Rechnung von Jugendfreunden Platters gingen, ändere nichts am Problem, so Erhard Busek: "Wenn man eine politische Funktion hat, ändert sich auch das Verhalten gegenüber Freunden, weil Sie ja nicht verhindern können - was gegenständlich der Fall ist - dass das anders beurteilt wird."

Verhaltenskodex: "Zehn Gebote reichen"

Aber es waren eben nicht nur alte Freunde, die dem Jungjäger Platter ein Jagderlebnis beschert haben, sondern auch Personen mit handfesten Interessen. Darauf angesprochen, werden auch gestandene ÖVPler im vertraulichen Gespräch kleinlaut - öffentlich schweigen sie lieber, wohl auch, um die Sache für die Partei nicht noch zu verschlimmern. Buseks Befund über das schwarze Krisenmanagement ist vernichtend: "Das sind die falschen Signale. Ich bin auch kritisch gegenüber dem Verhaltenskodex. Für mich gibt's seit den Zehn Geboten einen Verhaltenskodex, der reicht völlig."

Spindelegger braucht "andere Leute"

Was ÖVP-Chef Michael Spindelegger anders machen sollte? Busek: "Andere Leut'. Er muss dringend den Auswahlmechanismus ändern." Dass die falschen Leute an den Schalthebeln der ÖVP sind, will Busek "so generell nicht sagen". Aber: "Die Qualität stimmt nicht", so der frühere ÖVP-Obmann Busek. Was der aktuelle Parteichef zu all dem sagt und wie das mit seinem Verhaltenskodex zusammenpasst, wird man beim Ministerrat erfahren.