UNICEF: Kinder leiden unter Abschiebung

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat die psychosozialen Folgen für Kinder und Jugendliche untersucht, die aus Österreich und Deutschland in den Kosovo abgeschoben worden sind. Der Kosovo gilt ja mittlerweile als "sicheres Drittland". Doch die Kinder neigen zu Depressionen und Selbstmordgedanken, so die Studie.

Mittagsjournal, 28.3.2012

Ein Viertel hat Selbstmordgedanken

164 Buben und Mädchen sowie 131 Eltern umfasst die Studie von UNICEF. Es sind Familien mit Wurzeln im Kosovo, einige Zeit haben sie in Österreich oder Deutschland gelebt und wurden im Jahr 2010 in den Kosovo abgeschoben. 37 der 164 Kinder sind aus Österreich und 127 aus Deutschland. Die Hälfte von ihnen hat das gesamte bisherige Leben hier und nicht im Kosovo verbracht. Laut Studie haben nun viele psychische Folgen zu tragen, fasst Alexander Schwentner von UNICEF Österreich zusammen: "Die Hälfte aller Jugendlichen leidet an Depressionen, ein Viertel berichtet von Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und ein Fünftel empfindet das Leben als nicht mehr lebenswert. Besonders bedenklich ist auch, dass ein Viertel aller befragten Kinder und Jugendlichen Selbstmordgedanken haben."

"Ohne soziales Netz keine Abschiebung"

Jedes dritte befragte Kind, jeder dritte Jugendliche bräuchte professionelle, psychiatrische Hilfe, so Schwentner. Und weiter: Auch wenn theoretisch die Möglichkeit für medizinische Versorgung, für Unterkunft und Schulbesuch im Ankunftsland bestehe, faktisch sei das mitunter nicht gewährleistet. Hier setzt UNICEF mit einer Forderung an: "Kein Kind darf von österreichischen Behörden in ein Land rückgeführt werden, wo die Sicherstellung der grundlegenden Kinderrechte nicht gewahrt ist. Diese Sicherung muss aber faktisch sein und keine rein theoretische; d.h. die Kinder müssen - und die Familien müssen - Unterstützung bekommen und sie müssen ein soziales Netz haben. Wenn dies nicht der Fall ist, dass sie keinen faktischen Zugang haben, dann darf kein Kind rückgeführt werden - und dadurch auch ihre Eltern nicht, weil jedes Kind hat Recht auf Einheit der Familie."

Ministerium verspricht "psychologische Begleitung"

Dazu meint das österreichische Innenministerium auf Nachfrage von Ö1: Bei jeder Abschiebentscheidung werde im Asylverfahren die Frage der Verhältnismäßigkeit mitberücksichtigt. Jeder Einzelfall werde geprüft - zwar nicht vor Ort, aber man habe durch Verbindungsbeamte ein "gutes Bild" über die Situation im Kosovo. Auf die Frage, ob Kindern automatisch eine Psychologin oder ein Sozialarbeiter beigestellt werde, heißt es vom Innenministerium: Bisher habe es keine Begleitung gegeben, doch werde in diesen Tagen der Vertrag mit dem bereits involvierten Verein "Menschenrechte Österreich" erweitert, sodass es nicht lediglich Information vor, sondern auch psychologische Begleitung während der Abschiebung gebe.

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