Griechen vor schwieriger Regierungsbildung

Für Sorge in Europa sorgt der Ausgang der Wahlen in Griechenland. Die Erdrutsch-Verluste der beiden großen Parteien schmälern die Aussicht auf stabile Regierungsverhältnisse. Zwar wurde die stimmenstärkste Nea Dimokratia mit der Regierungsbildung beauftragt. Ihr fehlt aber auch mit den Sozialisten eine Mehrheit, die den rigorosen Sparkurs mitträgt. Rasche Neuwahlen sind möglich.

Mittagsjournal, 7.5.2012

Samaras in der Zwickmühle

Gleich fünf neue Parteien ziehen ins griechische Parlament ein - und sie alle haben vor allem eines gemeinsam: sie wollen Schluss machen mit dem rigorosen Sparkurs der Regierung. Die Griechen sehen das offenbar genauso, das sieht auch Antonis Samaras ein, der konservative Chef der stimmenstärksten Partei Nea Dimokratia: Ich verstehe den Zorn der Menschen, aber meine Partei wird Griechenland nicht im Stich lassen. Wir haben jetzt die Verantwortung, eine neue Regierung zu bilden und wir haben dabei zwei Ziele: Griechenland soll in der Eurozone bleiben und wir werden trotz den Sparmaßnahmen versuchen, Wachstum zu ermöglichen und es den Leuten leichter zu machen.

Koalition wird schwierig

Samaras wird es dabei aber besonders schwer haben. Denn sein bisheriger Koalitionspartner, die sozialistische PASOK-Partei hat herbe Verluste eingefahren und fast 2/3 ihrer Wähler verloren. Für eine Regierung braucht Samaras daher eine Partei aus der Reihe der Spargegner. Und diese machen vorerst keine Anstalten, die bisherigen Sparmaßnahmen Griechenlands fortzuführen. Schon jetzt glauben die Griechen an Neuwahlen, "von politische Stabilität" sei man weit entfernt, sagt ein Passant in Athen:

Nur drei Tage Zeit

Drei Tage hat Antonis Samaras jetzt Zeit, um willige Koalitionspartner zu finden. Danach kommt die zweitstärkste Partei zum Zug, die Radikalen Linken. Sollte es innerhalb von 10 Tagen keine Einigung geben, müssen die Griechen wohl noch einmal wählen gehen - und das vielleicht schon im Juni.