im Journal zu Gast

Veit Sorger zu Eurokrise und ÖIAG

Der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, ist für eine Griechenlandhilfe, solange sich die Griechen helfen lassen. Und: Er habe dem scheidenden ÖIAG-Chef Markus Beyrer keinen Job besorgt, um ihn wegen der Telekom-Affäre aus der Schusslinie zu bringen.

Mittagsjournal, 16.6.2012

Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung im "Journal zu Gast" bei Paul Schiefer.

"Geduld der Steuerzahler irgendwann erschöpft"

Vor kurzem sagte Veit Sorger, es komme irgendwann der Moment zu sagen, wenn die Griechen sich nicht mehr helfen lassen wollen, dann helfen wir ihnen eben nicht mehr.

Im "Journal zu Gast" relativiert er diese Aussage: "Was ich gesagt habe ist, wenn alle unsere Mittel erschöpft sind und sich die Griechen nicht helfen lassen wollen, dann ist es auch ihre Entscheidung, einen anderen Weg zu gehen. Dann haben wir auch keine anderen Mittel mehr, um ihnen behilflich zu sein. Irgendwann ist die Geduld der Steuerzahler in Europa auch erschöpft."

Vorläufiges Nein zu Eurobonds

Als überzeugter Europäer würde Sorger sein "Letztes" geben, um Europa zu retten. Der Prognose mehrerer Investoren, die Euro-Krise würde sich schlagartig beruhigen, würde es Eurobonds geben, misstraut Sorger. Unter bestimmten Voraussetzungen würde er sich Eurobonds nicht verschließen, grundsätzlich schließe er sich aber der deutschen Kanzlerin Angela Merkel an.

Die meint ja, solange die Krisenländer ihre Sparmaßnahmen nicht einleiten, könne man nicht einfach nach Eurobonds rufen, die eine Verschlechterung einiger noch nicht betroffener Länder mit sich bringen würden.

Griechenland: Bekenntnis zum Sparkurs

Von der wegweisenden Wahl in Griechenland erwartet sich der Präsident der Industriellenvereinigung, dass sie der Vernunft und nicht dem Populismus den Vorrang gibt. Nachher könne man sich dann zusammensetzen und überlegen, wie man die Sparmaßnahmen für die Bevölkerung verträglicher machen könnte.

Grundvoraussetzung für ein Verbleiben Griechenlands in der Eurozone sei aber das Bekenntnis der künftigen griechischen Regierung, den Sparkurs mitzutragen.

Fiskalunion und Schuldenbremse

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde gibt dem Euro noch drei Monate, sofern nicht gegengesteuert wird. Sorger meint allerdings, dass sich die Märkte sofort beruhigen würden, wenn sie sehen dass das Notwendige getan wird.

Das Notwendige ist seiner Meinung nach ein Bekenntnis von der EU, eine Fiskalunion zu gründen und eine Schuldenbremse mit den entsprechenden Strukturreformen einzuführen.

ÖIAG soll bestehen bleiben

Zum Thema ÖIAG und dem Abgang seines langjährigen Generalsekretärs Markus Beyrer als deren Chef, sagt Veit Sorger, das sei Beyrers Entscheidung gewesen und er, Sorger, habe sich nicht an der Suche nach einem Job für Beyrer beteiligt. Er bedaure Beyrers Gang nach Brüssel, denn Beyrer habe "viel mehr Lösungen zusammengebracht, als das in der Öffentlichkeit dargestellt wird."

Den Vorschlag von Staatssekretär Andreas Schieder (SPÖ), die ÖIAG eventuell aufzulösen, kann Sorger nicht nachvollziehen. Die ÖIAG sei ein Erfolgsmodell, weil ihr Aufsichtsrat unabhängig von der Politik agieren könne. Dass das manche stört, verstehe er. Über eine Anreicherung und neue Aufgaben für die ÖIAG würde er sich aber freuen, denn er sei ja ein "Privatisierungsfreund".

Schwarz-Blau nach nächster Wahl denkbar

Auf die Frage, ob er sich nach der nächsten Nationalratswahl eine Koalition aus ÖVP und FPÖ vorstellen könnte, antwortet Sorger, wenn zwischen Rot und Schwarz kein Wille zu einem Reformprogramm besteht, "soll man über alle anderen Möglichkeiten nachdenken. Ich bin da ein Demokrat, ich respektiere jede Form, die herauskommt".

Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen müsse aber ein Bekenntnis zu Europa sein.

"Nicht persönlich bereichert"

Im "Journal zu Gast" wurde anlässlich des Nachhaltigkeitsgipfels der UNO in Rio de Janeiro auch das Thema Nachhaltigkeit angesprochen. In diesem Zusammenhang macht Veit Sorger der steirischen Firma Andritz, die durch ihre Beteiligung am Bau des Staudamms in Belo Monte für Aufregung sorgt, keinen Vorwurf. Die Entscheidung über das Projekt liege bei Brasilien und nicht bei Andritz. Sorger sei es lieber, so ein Megaprojekt wird mit erstklassiger österreichischer Technologie gebaut als mit zweitklassiger irgendwo anders her.

Zu guter Letzt verteidigte sich Sorger noch gegen den Vorwurf, sich durch den Kauf von Hypo Alpe Adria-Aktien bereichert zu haben. Er habe lediglich einen "Genussschein an einer Gesellschaft erworben, die Investoren gesucht hat". Hätte er vorher gewusst, "welche unglaublichen Interpretationen" stattfinden würden, hätte er sich "das alles ersparen können, hätte andere Möglichkeiten gehabt." Er habe sich also nichts vorzuwerfen.

Übersicht

  • Industrie