Syrien: Kurdische Massenflucht in den Irak

Aus Syrien sind in den vergangenen Tagen zehntausende Menschen in das kurdische Autonomiegebiet im Nordirak geflüchtet, und diese Flüchtlingswelle hält an. Für die UNO ist das laut eigenen Angaben überraschend gekommen. Man habe noch nie einen derartigen Flüchtlingsstrom in den Irak erlebt, heißt es aus der UNHCR-Zentrale in Genf.

Mittagsjournal, 19.8.2013

Flüchten vor dem Krieg

Zu Fuß, dicht gedrängt auf LKW-Ladeflächen in Privatautos oder Mopeds, tausende syrische Kurden Männer, Frauen und Kinder strömen über die Grenze in den kurdischen Nordirak. Einer von ihnen ist der 35-jährige Biruz Rashid: Wir sind aus Qamishly gekommen und haben bis hierher 3 Tage gebraucht. Wir flüchten vor unerträglicher Armut und dem Krieg, der tausende unschuldige Menschen getroffen hat.

Seit vergangenem Donnerstag haben 20.000 Menschen die Grenze zum Irak überquert, schätzt das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Das ist unter den zahlenmäßig größten Fluchtbewegungen die wir während der gesamten Syrienkrise beobachtet haben, sagt der UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. Schon jetzt leben 155.000 syrische Flüchtlinge im Irak, doch seit vergangener Woche ist aus einem Rinnsal ein wahrer Flüchtlingsstrom geworden.

Es sind chaotische Szenen an der Grenze, wahre Menschenmassen, Kinder die von ihren Eltern getrennt werden, alte hilfsbedürftige Menschen, es ist heiß sie brauchen Wasser, Transport und Unterbringungsmöglichkeiten.

Al-Kaida in Kurdengebieten

Für den plötzlichen Ansturm gibt es laut UNHCR nicht nur einen sondern gleich mehrere Gründe. Das sind einmal Aussagen des Präsidenten von Kurdistan, der den Kurden in Syrien jede Art von Hilfe angeboten hat und die Öffnung des Grenzübergangs. Dazu kommt noch, dass sich die Syrischen Regierungstruppen letztes Jahr aus den Kurdengebieten zurückgezogen haben. Ein Machtvakuum, das Al-Kaida Anhänger in Syrien genutzt haben. Die Sicherheitslage in Nord und Nordostsyrien ist ein weiterer Grund, es hat heftige Gefechte zwischen Kurden und Fundamentalisten gegeben hat.

Außerdem seien einige Nachbarländer Syriens mittlerweile an den Grenzen ihrer Aufnahmekapazitäten angelangt so UNHCR-Sprecher Adrian Edwards ohne die Länder beim Namen zu nennen: In den vergangenen Monaten haben wir beobachtet, dass viele dieser Länder syrischen Flüchtlingen gegenüber restriktiver geworden sind. Das heißt nicht, dass sie ihre Grenzen dichtmachen, aber dass es insgesamt weniger über die Grenzen schaffen. Aus Sicherheitsgründen im Grenzgebiet und im eigenen Territorium und weil dieser Ansturm für die Nachbar-Länder auf den man noch innerhalb kürzester Zeit reagieren muss einfach eine unglaublich schwere Belastung darstellt.

Insgesamt zwei Millionen syrische Flüchtlinge haben sich bisher nach Jordanien, in den Libanon und in die Türkei gerettet. Wenn sich die Grenzen dieser Länder schließen, bleibt der Nordirak die einzige Option. Die Flucht von einem Krisenland in das nächste, auch wenn der Nordirak vergleichsweise stabil ist, zeigt doch wie verheerend das Leben der Menschen in Syrien geworden ist.

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