Syrien: Flüchtlingskrise "wie in Ruanda"

Die Flüchtlingskrise in Syrien ist nach Angaben der Vereinten Nationen die Schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda 1994. Inzwischen sind rund 1,8 Millionen Menschen in den Nachbarländern Syriens als Flüchtlinge registriert. Noch viel höher ist die Zahl jener, die innerhalb Syriens ihre Häuser und Wohnungen verlassen mussten.

Flüchtlinge an der Grenze zu Israel

(c) SAFADI, EPA

Mittagsjournal, 17.7.2013

Erinnerung an Völkermord in Ruanda

Die Kämpfe in Syrien kennen keine Pause, auch nicht im Ramadan. Im ganzen Land wird an unzähligen Fronten gekämpft, Regierungstruppen und Rebellen bleiben einander nichts schuldig. Jeden Monat kommen 5.000 Menschen in den Bürgerkriegswirren ums Leben - insgesamt nun schon etwa 100.000 - und das seit zwei Jahren. Nur allzu verständlich, dass täglich nahezu 6.000 Syrer ihrer Heimat den Rücken kehren. Etwa 1,8 Millionen Menschen seien mittlerweile in den Nachbarländern Syriens als Flüchtlinge registriert, teilen die Vereinten Nationen in New York mit. Für UNO-Flüchtlingskommissar Antonie Guterres ist das eine unerträgliche Situation. Die aktuelle Flüchtlingskrise in Syrien erinnert ihn an die Geschehnisse in Ruanda vor fast 20 Jahren. Damals waren mehr als zwei Millionen Menschen auf der Flucht.

Guterres: "Seit dem Völkermord in Ruanda haben wir keinen Flüchtlingsstrom auf eine so erschreckende Weise wachsen sehen, die humanitären Folgen sind verheerend. Dem syrischen Volk widerfährt unglaubliches Leid. Die hohen Temperaturen jetzt im Sommer verstärken das Elend der Menschen und das ist besonders schmerzlich im Heiligen Monat Ramadan", so Guterres.

Nachbarn überlastet

Ausdrücklich lobt der UNO-Flüchtlingskommissar die Nachbarländer Syriens, die, wie er betont, die Flüchtlinge aufgenommen und Hunderttausenden das Leben gerettet haben. Aber die Großzügigkeit hat ihren Preis: So hat der kleine Libanon mit seinen 4,2 Millionen Einwohnern offiziell mehr als 500.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, die wirkliche Zahl dürfte doppelt so hoch sein. Damit machen Syrerinnen und Syrer mittlerweile fast ein Fünftel der Menschen im Libanon aus. Und das Land bekommt nur wenig internationale Flüchtlingshilfe. Auch Jordanien ist dem Flüchtlingsansturm kaum gewachsen. Und in Ägypten werden Ausländer derzeit nicht gerne gesehen, vor allem die syrischen Flüchtlinge haben es dort schwer in der aufgeheizten politischen Atmosphäre, sie werden pauschal als Sympathisanten der Muslimbrüder beschimpft. Und die Türkei soll - so berichten Menschenrechtsorganisationen, kaum mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, ihre Kapazitäten sind erschöpft, immerhin leben in türkischen Auffanglagern derzeit fast 400.000 Menschen aus Syrien.

Eigentlich könnte nur eine allgemeine politische Lösung des Syrien-Konflikts Abhilfe schaffen, darin sind sich alle Beteiligten und Beobachter wahrscheinlich einig. Aber die UNO-Sicherheitsrat ist in der Frage gespalten, die Kämpfe werden andauern und solange werden die Menschen auch weiterhin aus Syrien flüchten.

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