Peter Turrini, ein Klassiker wird 70

In zehn Tagen, am 26. September, wird Peter Turrini 70 Jahre alt. Aus dem jungen Wilden ist ein Klassiker der österreichischen Literatur geworden. Das sieht man an den zahlreichen Veranstaltungen zu seinem Geburtstag, darunter sein Stück "C'est la vie", das morgen im Theater an der Josefstadt uraufgeführt wird.

Burg und Volkstheater haben Turrini-Stücke in ihren Saisonprogrammen, zwei Hörbücher und ein Dokumentarfilm erscheinen. Das Theater in der Josefstadt, seit einigen Jahren Turrinis künstlerische Heimat, bringt morgen eine Uraufführung, mit dem Titel "C'est la vie". Grundlage ist das gleichnamige Buch, in dem Peter Turrini Erinnerungen, Gedichte, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen zu einer Art Lebensrevue zusammengetragen hat.

Morgenjournal, 16.9.2014

"Ich bin am Ziel, am Theater"

"Am Abend des Jänner 1971 stehe ich auf der Bühne des Volkstheaters – allein. Mein Stück ist soeben zu Ende gegangen. Vor mir brodelt es", schreibt Peter Turrini. "Schlachtet den Autor! Gotteslästerung! Pornographie!", rufen die Kritiker und einer rät dem Kärntner Orang-Utan in die Wälder zurückzugehen, aus denen er gekommen ist. Aber Peter Turrini lässt sich nicht beirren: "Ich stehe da oben schaue in den Hexenkessel und rühre mich nicht - ich bin am Ziel - am Theater."

Es sind Erinnerungen wie diese, die Peter Turrini in seinem Buch "C’est la vie - Ein Lebenslauf" aufgeschrieben hat: 92 kurze Momentaufnahmen aus seinem Leben - die von den Demütigungen erzählen, denen der dicke Tischlerbub ausgesetzt war, den Nöten des Heranwachsenden, dem Erfolg und dem Scheitern seiner ersten Dramen wie "Rozznjagd" oder "Sauschlachten", dem Suchen, der Liebe, dem Tod.

In der Literatur und speziell im Theater hat Turrini als Autor von gesellschaftskritischen Volksstücken seine Heimat gefunden. "Was mich zutiefst glücklich macht am Theater, in dieser Abgeschiedenheit, in dieser Dunkelheit, ist, dass ich einen Ort finde, um Fragen zuzulassen und Antworten zu finden - um die Welt noch einmal nachzustellen."

In einer mit Versatzstücken aus seinem Leben ausgeschmückten Wohnlandschaft - erwecken fünf Darsteller in schwarzen Anzügen darunter Hilde Dalik, Marcello de Nardo oder Erich Schleyer die Turrini-Texte zum Leben. Regisseurin Stephanie Mohr: "Für mich war wichtig, den Text auf viele Facetten und auf unterschiedliche Schauspieler aufzuteilen und mit Musikern eine Art Kaleidoskop herzustellen."

Glauben sie dem Dichter Peter Turrini nicht alles, sagt Silke Hassler im Nachwort zum Buch "C'est la vie. Ein Lebens-Lauf" - nicht alles sei wahr - aber immer wahrhaftig. "Ich hoffe, dass diese Dinge, die ich erfinde, das Gemüt und die Seele anderer Menschen erreichen, weil sie etwas ausdrücken, womit der Mensch vielleicht eigene Erlebnisse in sich spürbar machen kann. Und diesen Vorgang würde ich Wahrhaftigkeit nennen", so Turrini.

Zum 70. Geburtstag von Peter Turrini würdigt ihn der ORF mit einem Programmschwerpunkt in Radio und Fernsehen. Ö1 sendet am kommenden Samstag in der Hörspiel Galerie die von Herbert Föttinger, Sandra Cervic und Peter Turrini selbst gelesene Collage "C'est la vie", die auch als Hörbuch erschienen ist.

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