Musikwelt trauert um Harnoncourt

Sein Ableben hat gestern Nachmittag nicht nur die Musikwelt in Trauer versetzt. Nikolaus Harnoncourt, der im Alter von 86 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben ist, wurde bis in die Staatsspitze hinauf für seine Arbeit gewürdigt.

Nikolaus Harnoncourt

APA/AFP/ERNST WUKITS

Morgenjournal, 7.3.2016

"Der Interpret, der unsere Welt mehr als jeder andere der letzten 50 Jahre geprägt hat, ist nicht mehr", mit diesen Worten verabschiedet sich der Dirigent Franz Welser-Möst von Nikolaus Harnoncourt. Das Wort "Verlust" drücke für den Dirigenten nicht aus, was er empfinde. Dennoch war die Nachricht, trotz Trauer, für viele nicht unerwartet.

"Das Feuer weitertragen"

So auch für den Dirigenten und künstlerischen Leiter des Arnold Schoenberg Chores Erwin Ortner: Die Musik habe, wie auch das Leben, einen Anfang und ein Ende, "wir bedauern es, aber wir haben auch den Auftrag verstanden, den er uns mitgegeben hat", und so wolle man "das Feuer nach bestem Wissen und Gewissen weitertragen", erklärte Ortner.

Andreas Großbauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker, erreicht die Nachricht am Flughafen am Weg nach Sao Paulo. Auch er möchte es sich nicht nehmen noch im Flugzeug sein Bedauern um Harnoncourt auszudrücken und an die Zusammenarbeit zurück zu denken: "Er war ein seelischer Tiefenbohrer und hat uns immer wieder an und über unsere Grenzen geführt."

Den Komponisten Karlheinz Essl hat das Ableben von Nikolaus Harnoncourt besonders getroffen und möchte nicht über die traurige Todesnachricht sprechen, sondern über den Beitrag, den der Dirigent geleistet hat. Harnoncourts Buch "Musik als Klangrede" hat den Komponisten bereits in seinem Studium nachdrücklich beeindruckt. Er sei "hinter die Oberfläche des schönen Scheins und des Klingenden gegangen" und in "die tiefen Schichten der Musik eingetaucht. Er hat fast wie ein Komponist gearbeitet und hat versucht, in der Musik neue Dinge zu finden, die man nicht mehr wahrnimmt."

Auch Theater an der Wien Intendant Roland Geyer äußert sich mit großer Trauer und Bestürzung über den Tod von Nikolaus Harnoncourt. Die Musikwelt verliere nicht nur den großen Künstler, Pionier der Historischen Aufführungspraxis, Musikphilosophen und leidenschaftlichen Musiker Harnoncourt, sondern vor allem sein kraftvolles Tun und Sein für die Musik.

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