Nikolaus Harnoncourt ist tot

Einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit ist tot. Nikolaus Harnoncourt war Cellist, Gambenspieler, Dirigent, Lehrer am Mozarteum und Musikschriftsteller. In der Nacht auf Sonntag ist er im Kreise seiner Familie nach einer schweren Erkrankung im Alter von 86 Jahren gestorben.

Nikolaus Harnoncourt

Nikolaus Harnoncourt bei den Salzburger Festspielen

APA/BARBARA GINDL

Journal, 6. März 2016

Zuerst gehörte Nikolaus Harnoncourt zu der Handvoll europäischer Musiker, die eine neue Sicht auf Alte Musik durchsetzten. Und dann zog der Originalklang-Spezialist einen weiteren Harnoncourt aus dem Hut: den Dirigenten großer Symphonieorchester, der auch bei Bruckner, Bartok oder Johann Strauss den wahren Absichten der Komponisten auf der Spur war. "Je näher man dem Werk kommt, je besser man es versteht, umso näher ist man auch an der Psyche des Hörers", sagte Harnoncourt.

Der Ururenkel Erzherzog Johanns wuchs in materiell bescheidenen, aber geistig höchst anregenden Verhältnissen in Graz auf. Neben einer Stelle als Cellist bei den Wiener Symphonikern begann er gemeinsam mit seiner Frau Alice den Concentus Musicus aufzubauen. Das Ehepaar Harnoncourt sammelte geradezu manisch alte Instrumente, die man sich buchstäblich vom Mund absparte und schrieb tausende Seiten vergessener Musik aus Archiven ab.

Doch spätestens ab den 1980er Jahren wollte das Etikett „Karajan der Alten Musik“ nicht mehr recht passen. Anfangs wollte Harnoncourt nicht Musiker werden, sondern eine Marionettenbühne betreiben. Dieses Nahverhältnis zum Theater prädestinierte ihn zum Dirigenten legendärer Opernaufführungen: von "Don Giovanni" bis "Porgy and Bess".

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Ö1 Programmschwerpunkt - Zum 85. Geburtstag Harnoncourts