Oscar Isaac

Polyfilm

"The Promise" - Liebe in Zeiten des Völkermords

Zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Armenier wurden zwischen 1915 und 1916 getötet, eine Schätzung die weit auseinander geht, doch über das Faktum des Genozids am armenischen Volk besteht kein Zweifel, auch wenn die Türkei bis heute offiziell den Völkermord unter dem Vorwand "kriegsbedingter Sicherheitsmaßnahmen" leugnet. Vor diesem historischen Hintergrund schildert der Spielfilm "The Promise - Die Erinnerung bleibt", eine Liebesgeschichte zu dritt.

Morgenjournal, 16.8.2017

Arnold Schnötzinger

Michael (Oscar Isaac) kommt 1915 aus der armenischen Provinz und will in Konstantinopel Arzt werden. Anna (Charlotte Le Bon) hat die armenische Provinz schon vor langem verlassen, will aber nach einem ausgedehnten Aufenthalt in Paris wieder zurück in ihre Heimat - mit Zwischenstation Konstantinopel, wo sie auf den angehenden Mediziner trifft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Anna und Michael verlieben.

Doch da gibt es zwei Probleme: Michael hat zu Hause das titelgebende "Eheversprechen" gegeben und dann wäre da noch: Chris Miles (Christian Bale), amerikanischer Journalist und Gefährte von Anna, einer, der die Welt schon gesehen, ihre Brennpunkte besucht und davon berichtet hat.

  • Charlotte Le Bon als Anna

    Anna (Charlotte Le Bon) kann sich zwischen dem Medizinstudenten Michael und Chris Miles nicht entscheiden

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  • Christian Bale

    Christian Bale als amerikanischer Journalist Chris Miles

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Krieg und Romantik

Ein Liebe zu dritt in Zeiten des Völkermords. Das Spannungsfeld, das der Films aufmacht ist sein Potenzial und seine Herausforderung zugleich. Eine Auseinandersetzung im Privaten und ein Kampf im Politischen. Wieviel Romantik verträgt eine Liebe, wenn man doch eigentlich von Mord und Krieg erzählen will und muss? Und: wieviel Grausamkeit sind einer Liebesgeschichte zumutbar, ohne sie völlig zu zerzausen? Auch der irische Regisseur Terry George sieht hier eine Gratwanderung "zwischen Unterhaltung und Bildung".

Parallelen zur Gegenwart

Man kann diesen Film über die Vergangenheit nicht anschauen, ohne ständig an die Gegenwart zu denken, Manche Passagen im bereits 2015 fertig gestellten Drehbuch klingen wie Kopien heutiger Vorgänge in der Türkei: Etwa wenn Journalist Miles von einem türkischen Militär ohne Grundlage als "Spion" bezeichnet wird, nur weil er Verrat und Denunziantentum verweigert.

Schablonenhafte Figuren

Zusammenfinden, auseinander-gerissen-werden und wieder zusammenfinden. In den Wirrnissen der Politik, aber auch im Ringen der männlichen Widersacher um die Gunst einer Frau, für Melodramatik ist im Film "The Promise- Die Erinnerung bleibt" ausreichend gesorgt. Doch weil es Regisseur Terry Georg allen Recht machen will und bei 90 Millionen Dollar Budget irgendwie auch muss, gibt er dieser Geschichte keinen eigenständigen Atem, verlässt sich auf klare Freund-Feindbilder, macht aus Menschen Schablonen in einer historischen Kulisse, versucht sich in epischem Erzählen und lässt es dennoch an Weitsicht vermissen.

Service

The Promise

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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