Frau 1938 auf dem Steg eines Schiffes

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Ein Schiff voller Stimmen

Silvia Meisterle liest aus Jenny Alonis Einwandererroman "Zypressen zerbrechen nicht".

Eine junge deutsche Jüdin flieht 1939 nach Palästina. Während das Schiff an Kreta vorbeifährt, zeigt sich in den Gesprächen der Passagiere wie inhomogen die hier versammelte Menschenmenge ist - ein Teilabbild der zukünftigen Gesellschaft Israels. Schon auf dem Schiff nimmt die Protagonistin Helga den hebräischen Namen "Hagar" an, "die Fremde". Und fremd bleibt ihr vorerst auch das Land, das doch die Heimat sein soll.

Jenny Alonis erster Roman "Zypressen zerbrechen nicht", erschienen 1961, ist, wie Vieles in ihrem Werk, autobiografisch grundiert. Angesiedelt in der Zeit des britischen Mandats, schildert er die Entwicklung einer jungen Frau von der Außenseiterin zum engagierten Mitglied der Gemeinschaft, wobei die Schattenseiten dieser oft verklärten Gründerjahre nicht ausgespart bleiben - wie das Misstrauen der einheimischen Juden den Einwanderern gegenüber oder der Konflikt mit der arabischen Bevölkerung.

Jenny Aloni wurde 1917 als Jenny Rosenbaum im westfälischen Paderborn geboren, Ende November 1939 konnte sie Deutschland als Leiterin eines jüdischen Kindertransports nach Palästina verlassen, ihre Eltern und Schwester wurden deportiert und ermordet. Aloni lebte bis zu ihrem Tod 1993 in Israel. Ihr literarisches Werk ist geprägt von den jüdischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts: es reicht in Deutschland von der Weimarer Republik über die NS-Zeit bis zur Wiedervereinigung; in Israel von der britischen Mandatszeit über die Staatsgründung 1948 bis in die Jahre der zweiten Intifada.

Jenny Aloni verfasste Tagebücher, die fast 60 Jahre umspannen, Gedichte, Skizzen, Kurztexte, Erzählungen und Romane. Sie schrieb vorwiegend auf Deutsch und wurde zur wichtigsten Stimme der deutschsprachigen Literatur Israels ihrer Generation.

Silvia Meisterle wird Ausschnitte aus dem vielstimmigen ersten Kapitel des Romans "Zypressen zerbrechen nicht" lesen.

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